Die Hängematte

3 5-9 Minuten 0 Kommentare
Die Hängematte

Die Hängematte

Yupag Chinasky

Dann fuhr sie fort, ihr Name sei Aimée und der ihres Sohnes Titi, er sei drei Jahre alt und ihr Mann, der Vater von Titi, habe sie vor kurzem wegen einer anderen verlassen und sie könne jetzt in dem Dorf nicht mehr bleiben und würde deshalb mit Titi zurück zu ihren Eltern fahren.

Er kam kaum zu Wort und sagte schließlich, dass das, was er getan habe, doch selbstverständlich sei und dass er kein Geld brauche und keine Geschenke wolle. Sie beharrte jedoch darauf, dass sie ihm etwas schenken müsse, weil sie sonst ihr ganzes Leben lang in seiner Schuld stünde. Das wolle sie nicht und außerdem sei es eine Schande, wenn sie auf die Frage, was sie dem Retter ihres Kindes geschenkt habe, sagen müsse „rien – nichts“. Dann verstummte sie für eine Weile, während sie erneut seine Hand streichelte und küsste und sagte schließlich, zögernd und verlegen, dass sie nur ihren Körper und ihre Liebe habe, die sie ihm geben wolle. Nachdem das gesagt war, fügte sie, wieder etwas sicherer, hinzu, dass sie ihm im Bett jeden Wunsch erfüllen wolle und dass sie auf die Annahme dieses Geschenks bestehen müsse. Bevor er etwas erwidern konnte, zog sie sich aus und stieg zu ihm in die Hängematte. Er fühlte sich zuerst überrumpelt und wollte sie abwehren, aber sie war so entschlossen, so zielstrebig und so geschickt in ihrem weiteren Vorgehen, dass er sich nicht nur in sein Schicksal fügte, sondern es sogar begrüßte. Schließlich war er ja nur ein Mann mit allen Schwächen und sie eine junge und durchaus attraktive Frau. Titi schlief derweil ruhig und ungerührt, trotz des heftigen Geschaukels, das sich dann ergab.

Am nächsten Tag war Aimée sichtlich aufgedreht, besonders nachdem er ihr, aus Mitleid und als Dank für das nächtliche Vergnügen, ein Erste-Klasse-Essen spendiert hatte: Reis, Bohnen, Hühnchenschlegel und eiskaltes Bier.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 10125

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben