Mein Besuch bei der Psychologin gestaltete sich anders, als ich es mir in meinem Zorn vorgestellt hatte. Denn Dominik bat mich, seinen Vater noch einmal besuchen zu dürfen. Er wollte ihm sagen, was passiert war. „Er muss doch wissen, was mit Mama ist!“ meinte er verzweifelt. So wurde ich am Montagmorgen bei der Psychologin vorstellig und diese arrangierte ein Treffen Vater/Sohn. Sie zeigte sich sehr betroffen über Danas Zusammenbruch.
Nur so am Rande: Die Telefonkonferenz war ohne Überraschungen erfolgreich verlaufen.
„Wir konnten ohne Aufsicht und ohne Einschränkungen in einem Raum…“ erzählte Dominik später. „Es tut ihm mal wieder sehr leid…;“ meinte unser Sohn resignierend. „Mein Vater checkt es einfach nicht! Wir erwarten doch gar nichts von ihm!“ Immerhin gestand Dominik sich und mir ein, dass es gut war, Michi zu besuchen. „Du erzählst nichts deiner Mutter! Versprochen?“ beschwor ich ihn. Er hatte sein Versprechen gehalten!
Dana empfing uns strahlend: „Keine Epilepsie! Schlaganfall eher nein! Aber was machst Du denn hier?“ Sie meinte ihren Sohn.
Dominik ging auf seine Mutter zu, umarmte und drückte sie. Ganz leise flüsterte er ihr zu: „Ich habe Angst gehabt, dass etwas ist!“ Verstohlen wischt er sich eine Träne aus den Augen. „Morgen muss er wieder zur Schule!“ bestimmte ich grinsend.
Auf dem Rückweg von Berlin nach Hause bot ich Dominik einen Abstecher zu seinen Großeltern in Dresden an. „Ja, ich denke die mögen Mama sehr und die freuen sich bestimmt!“ begeisterte sich mein ‚Ziehkind‘.
Mit großer Bestürzung reagierten sie auf Dominiks Bericht, wie seine Mutter nach dem Besuch in der JVA zusammengebrochen war. Dominik kämpfte dabei selbst mit den Tränen, weil er immer wieder betonte was hätte passieren können. Mit: „Du und deine Mama…“ schloss Dominiks Großmutter ihren Enkel in die Arme und war sichtlich erleichtert, dass Dana und der ungeborenen Melika nichts Schlimmeres passiert war.
Sie erzählten wieder von Michis Kindheit und wie er Dana kennengelernt hatte. „Die mochten sich!“ meinten sie voller Melancholie. Auch haderten sie wieder mit Michis Handeln. „Warum nur?“ fragten sie ein- ums andere Mal. Ich hatte den Anschein, als würden sie mich gar nicht mehr als ‚den Bösen‘ ansehen, der die Schuld an allem trägt, was passiert war. Im Gegenteil. „Es freut uns, dass es Dominik bei Euch so gutgeht!“
Und beim Gehen meinte Dominiks Oma: „Pass gut auf unseren Enkel und seine Schwester auf! Und sag Dana, dass es uns unendlich leidtut!“
„Lass ihn doch mal laufen…“ forderte Dominik, als wir praktisch allein auf der dreispurigen Autobahn unterwegs waren. Selbst bei zweihundertdreißig saß er noch relativ entspannt neben mir…
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