300 Euro - Teil 6

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300 Euro - Teil 6

300 Euro - Teil 6

Grauhaariger

Der Anwalt machte Dana große Hoffnung, in ein paar Monaten geschieden zu sein. Dominik würde noch bis zum Halbjahreszeugnis in Dresden bei seinen Großeltern wohnen bleiben. Michis Eltern waren sehr offen und gesprächsbereit und wollten keinesfalls irgendeinen Streit auf dem Rücken ihres Enkels austragen. Wir planten in den Weihnachtsferien einen gemeinsamen Urlaub und dann hätte Dominik noch ein paar Wochen, um sich endgültig entscheiden zu können.

Nach einem Telefongespräch mit meiner Geliebten, seiner Noch-Ehefrau, stimmte Michi der Scheidung zu. Ich sah es als Selbstverständlichkeit, bei diesem Gespräch nicht anwesend zu sein. Vertrauenssache...

Um finanziell wenigstens ein klein wenig unabhängig zu sein, nahm Dana erstmal einen Minijob auf 450,- Euro-Basis an. Essen auf Rädern. Sie holte die Pakete mit einem Kleintransporter in einer Großküche ab und lieferte diese an Kindergärten, Privathaushalte und ein Seniorenheim.

Auf den Tag genau vor sieben Wochen traf ich Dana nach gut eineinhalb Jahren wieder. In diesem Untergeschoß in Berlin. War es Zufall, dass sie ausgerechnet heute mit mir essen gehen wollte? Natürlich war ich pünktlich zuhause. „Ich habe meine ersten 450 Euro bekommen und will Dich einladen!“ freute sich meine Geliebte.

Sie hatte ein Restaurant in einem Hotel ausgesucht. Gute Küche und bezahlbare Preise. Mir war aufgefallen, dass Dana nach einem fruchtigen Cocktail, ohne Alkohol wie mir erst später bewusstwurde, nur noch Wasser orderte. „Oh, jetzt bin ich aber satt!“ verkündete Dana nach dem Nachtisch und schob das Schälchen ein wenig zur Seite.

„Wollen wir noch in eine Bar was trinken gehen?“ fragte ich, was meine Partnerin verneinte. „Ich,“ fing sie an und biss sich auf die Unterlippe, „ich muss Dir was sagen.“

„Du hast deinen Job hingeschmissen?“ riet ich scherzhaft.

Dana schüttelte den Kopf. „Ernster!“

„Bist Du krank?“ fragte ich besorgt.

„Nein, krank bin ich nicht!“ meinte Dana und sah mir tief in die Augen. „Du wolltest es drauf anlegen,“ meine Geliebte begann zu lächeln, „und ich könnte mir eigentlich nichts schöneres vorstellen!“

Jetzt kam mir auch ein freudiges Lächeln aus. „Sag es, bitte!“ bat ich sie obwohl ich es eigentlich schon wusste.

„Wir bekommen ein Baby!“ strahlte Dana. Ich ging um den Tisch, nahm meine Geliebte in den Arm und drückte sie. Gratulation kam auch von den älteren Herrschaften vom Nebentisch, die unser Gespräch mitbekommen hatten und sich beinahe (aber nur beinahe!) so gefreut hatten wie wir selbst!

Dana ließ sich nicht davon abbringen, die Rechnung zu bezahlen. Ich bedankte mich für das Essen mit einem längeren Kuss, nachdem wir den Gastraum verlassen hatten. „Ich will Dich sofort!“ flüsterte ich Dana zu und deutete auf die Rezeption. „Oh, das geht nicht!“ Dana tat besorgt. Ich verstand nicht gleich und sie ergänzte: „Ich habe doch gar kein Nachthemd dabei!“

„Hmmm;“ überlegte ich, „traust Du dich auch nackt?“

„Was, nackt?“ antwortete meine Geliebte gespielt entsetzt sowie relativ laut und prustete beinahe los.

„Wollen wir ihn mal fragen,“ ich deutete auf den Mann an der Rezeption, „ob er eines für Dich hat?“ fragte ich sie geheimnisvoll leise., „oder ob Du ausnahmsweise Ohne mit mir schlafen darfst?“ Dana konnte sich ein Lachen jetzt nicht mehr verkneifen.

„Darf meine Frau auch ohne?“ Für meine Frage, nachdem die Formalitäten geklärt waren, erhielt ich von Dana einen kräftigen Buff in die Seite.

„Natürlich;“ antwortete der Mann mit einem Augenzwinkern und wünschte uns eine gute Nacht.

„Du;“ druckste Dana im Aufzug herum, „jetzt wo ich schwanger bin, werde ich erst einmal keinen richtigen Job bekommen.“ Mir war nicht klar, worauf Dana hinauswollte. „Ich schulde Dir doch so viel Geld,“ meinte sie kleinlaut, „und weiß nicht, wie ich das zurückzahlen soll.“

Ich fand es schön, dass sie sich Gedanken über das Finanzielle machte. Und bevor ich noch ein Wort dazu sagen konnte, überrasche mich meine Geliebte erneut indem sie fragte: „Weißt Du, wovor ich eine Scheißangst habe?“

„Wie sage ich es meinem Kind?“ mutmaßte ich. Wir waren an der Türe zu unserem Zimmer angekommen. „Ja, das Gespräch macht mir Angst“ stimmte Dana ein, „wie sage ich Dominik, dass er eine Schwester oder einen Bruder bekommt?“

Wir beschäftigten uns eine ganze Weile mit diesem Thema. Dana stand kurz vor ihrem neununddreißigsten Geburtstag. „Wenn, dann jetzt!“ Sie wollte das Kind. Und ich sowieso. Und Dominik sollte es so schnell wie möglich erfahren. „Hoffentlich glaubt der nicht, dass es von seinem Vater ist…!“ Meine Geliebte skizzierte allerlei Horrorszenarien, wie ihr Sohn auf die Nachricht der Schwangerschaft seiner Mutter reagieren könnte.

Während unserer Unterhaltung/Diskussion suchte jeder einmal die Toilette auf. Dana kam sogar nur in Slip und Oberteil wieder zurück. Minuten später bemerkte ich: „Wolltest Du nicht…nackt…?“

„Müssen wir?“ fragte Dana unaufgeregt, „ich habe irgendwie jetzt keine Lust mehr.“

„Nein, wir müssen nicht!“ antwortete ich. „Aber,“ Meine Geliebte schaute mich wegen meines Einwandes entsetzt an und ich fuhr fort: „ich will Dich schon spüren. Haut an Haut!“

Ganz genau schaute ich hin, als Dana nackt zu mir ins Bett kroch. Trotz der Vorstellung, dass…, ein Bäuchlein war beim besten Willen nicht zu erkennen. „Noch nicht;“ freute ich mich. Natürlich kuschelten und küssten wir unter der Bettdecke. „Du;“ fragte Dana als ich schon beinahe eingeschlafen war und suchte mit der Hand nach meinem müden Krieger, „ich könnte doch noch etwas Hartes zwischen meinen Beinen vertragen!“

Wisst ihr, wie geil und fordernd eine schwangere Frau sein kann?

*****

Dana und ich hatten uns darauf verständigt, an den Wochenenden möglichst viel Zeit mit ihrem Sohn zu verbringen. Manchmal, wenn ich arbeitstechnisch verhindert war, fuhr Dana auch allein nach Dresden. Wie zu erwarten, war Dominik nicht davon begeistert, dass seine Mutter noch ein Kind bekommen sollte. „Dann habt ihr ja ein eigenes Kind und könnt mich abschieben;“ war seine größte Befürchtung. Wir und vor allem Dana versuchten ihn davon zu überzeugen, dass genau das nicht geschehen würde. Gleichzeitig sagten wir ihm auch jegliche Unterstützung zu, wenn es um seinen Vater ging. Besuchszeiten und auch längere Aufenthalte würden wir möglichst so gestalten, dass es für ihn passen würde. Dana und ihr Sohn besuchten Michi sogar in der JVA. „Der ist wie ausgewechselt;“ berichtete meine Geliebte perplex. „Er hat Dominik sogar zugeraten, zu uns zu ziehen. Kein böses Wort! Nichts dergleichen!“

„Und Dir gegenüber?“ wollte ich wissen.

„Michi tut alles fürchterlich leid.“ Mit seiner Mitleidstour war Dana ihm offensichtlich wieder wohlgesonnen. „Er schämt sich so.“ Mir schien es, als hätte sie noch nicht mit ihm abgeschlossen.

*****

„Ab heute bist Du schuldenfrei!“ verkündete ich Dana Anfang Dezember. In Absprache mit Danas Anwalt, den Banken und ihrem ehemaligen Vermieter hatte ich die Forderungen an ihre Person beglichen. Dana war heilfroh, der Privatinsolvenz entkommen zu sein. Die Leute, das Gerede, es wäre fürchterlich gewesen. Sie zeigte mir ihre Dankbarkeit wo sie konnte. Ich hatte sie jedoch sehr bald gebeten, das zu vergessen, da ich eine gleichberechtigte Partnerin an meiner Seite wissen wollte und nicht eine unterwürfige. „Wenn ich im Bett mal über dich bestimmen möchte, dann wirst Du das schon merken. Auf ihre doch sehr naive Frage „wie“, antwortete ich: „Augenbinde, Knebel, Fesseln, Gerte, …“ Dana nickte nur und lachte: „Sehr gerne! Da freu ich mich schon drauf…!“

Tage später. Mir ging irgendwie nicht aus dem Kopf, wie gut Dana nach ihrem Besuch in der JVA, zusammen mit Dominik, über ihren Noch-Ehemann gesprochen hatte. Gerade eben kam sie wieder aus Berlin zurück. Irgendetwas war noch zu regeln und sie war gestern aufgebrochen, Michi erneut zu besuchen.

Bereits als sie die Haustüre öffnete, spürte ich, dass etwas anders war als sonst. Natürlich gab es das obligatorische Küsschen und wir führten ein wenig Smalltalk. Sie war so anders heute. Oder bildete ich mir das nur ein? Auf meine Frage, wie das Treffen den verlaufen war, begann sie herumzudrucksen. „Sag schon, was ist passiert?“ So schlimm konnte es doch gar nicht gewesen sein. Nach ein wenig hin und her gab sie zu: „Okay, Michi hatte Freigang.“

„Puah, und das erfahre ich erst jetzt!?“ Ich war aufgebracht. „Warst Du deswegen bei ihm?“ fragte ich abfällig.

„Nein,“ antwortete Dana wenig überzeugend, „ich wollte doch noch…“. Weiter kam sie nicht. „Du hast mit ihm geschlafen!“ warf ich meiner Geliebten an den Kopf.

„Ja;“ gab sie nach ein paar Augenblicken des Überlegens kleinlaut zu. „Aber es hat nichts mit uns zu tun!“

„Mit wem denn sonst?“ fragte ich sauer.

„Es ist einfach passiert;“ meinte sie und fügte sofort ein: „Es tut mir leid!“ hinzu.

„Einfach passiert?“ Ich war außer mir. „In deinem Hotelzimmer? Es war doch in deinem Hotelzimmer, oder?“

„Ja, es war in meinem Hotelzimmer;“ räumte Dana ein.

„War es gut?“ wollte ich wissen. „Hart, versaut? Du hast ihm einen geblasen und alles geschluckt? Hat er Dich in den Arsch gefickt? Oder wolltest Du das sogar?“ Ich kannte mich selbst nicht mehr. Eine Frau so anzugehen.

„Nein, nein;“ Dana versuchte abzuwiegeln.

„Ihr habt das geplant!“ behauptete ich lautstark. „Warum?“

„Ich weiß nicht…“

„Du liebst ihn immer noch!“ resümierte ich, „und der blöde Frank wird schon nichts merken!“

Ich war richtig wütend. Hätte sie mit offenen Karten gespielt…aber so?

„Ist er besser als ich?“ brüllte ich sie an, „oder hat er einen Größeren?“ Dana saß verschreckt am Esstisch. Vermutlich hatte sie Angst, dass ich komplett austicken würde. So aufgebracht kannte sie mich nicht. Nachdem sie nichts mehr sagte, tobte ich erst recht. Was ich ihr alles an den Kopf warf. Von Geld, über Vertrauen, unser Kind und vieles mehr war die Rede. Nicht nur einmal donnerte ich mit der Faust auf den Tisch. Meine Geliebte, wollte ich sie überhaupt noch(?), saß mir zitternd gegenüber. Sie hatte Angst. Angst vor mir! Nein, ich würde sie nicht schlagen. Niemals! Nicht sie, noch irgendeine andere Frau! Aber Dana war sich im Moment darüber überhaupt nicht sicher.
„Warum, Dana? Warum?“ Ich schrie aus Leibeskräften.

Jemand fasste mir ins Gesicht. Ich schüttelte den Kopf und schlug die Augen auf. Schweißgebadet. „Du hast geträumt!“ meinte Dana liebevoll.

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