Er schaute den Spielern eine Weile zu, dann wollte er sich der Lady nähern und sie anbaggern. Vielleicht mit „Ha’m se mal ne Zigarette für mich“ oder „Was macht denn eine so schöne Frau am späten Abend an so einem verrufenen Ort? Darf ich Sie auf ein Glas einladen?“ Doch in diesem Moment war das Match zu Ende oder unterbrochen. Jedenfalls kam einer der Billardspieler, der mit der großen Wampe, ein richtig fetter, widerlicher Kotzbrocken, auf die Schwarze zu, umfasste lässig ihre Taille und dröhnte: „Hast du dich amüsiert, Kleine?“. Die Entzückung sah man ihr an, sie gähnte. Dann gingen beide, Arm um Taille, dicht an ihm vorbei zur Theke. Er stand ein wenig im Weg und sie mussten einen Bogen machen. Vermutlich deswegen glotzten sie ihn an.
Missmutig kehrt er zur Theke zurück. Neues Bier, neues Glück. Aber erst mal das kleine Glück genießen. Er bestellte sich Senfeier oder waren es Soleier mit Senfsoße und Kroketten? Jedenfalls schmeckten sie grässlich. Aber er hatte so etwas vorher noch nie gegessen und konnte eigentlich nicht beurteilen, ob die immer so scheußlich schmeckten oder nur hier.
Zwei oder drei Männer hatten sich im Laufe des Abends neben ihn gesetzt. Der eine wollte nur quasseln und quasseln, das war noch, bevor der Wirt die Idee mit der Stereoanlage hatte und nur seichte Musik durch den Raum waberte. Von seinen Geschäften, von seiner Frau, von seinem Auto. Obwohl er ein paar Bier spendierte, ging ihm das Gelaber auf den Geist. Zum Glück kam ein weiterer Gast und setzte sich neben den Laberer. Jetzt musste der sich den ganzen Sermon anhören. Der andere Gast, der sich neben ihn gesetzt hatte, war ein Brummbär, der vor sich hin starrte, kein Wort sagte und keine Anstalten machte, auf ein Gespräch einzugehen. Aber das war nach der Stereosache und wäre deswegen sowieso erfolglos gewesen. Also blieb für das aktive Amüsement nur der Daddelautomat. Ein Euro rein, noch einer. Die Bilanz nach ein paar Stunden war dieselbe, wie in einer staatlichen Spielbank. Neunzig Prozent des Umsatzes behält die Bank. Auch die passive Berieselung war öde. Auf dem großen Flachbildschirm an der Wand wechselten sich diverse Sportprogramme ab. Ein Drittligist aus Portugal spielte gegen einen Viertligist aus Estland. Eurosport! Kickboxen aus USA oder Thailand, alles abgekartetes Spiel! Pferderennen in Bangalore. Wo war das noch mal? Jedenfalls konnte man online und per Handy wetten.
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