Abwege

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Abwege

Yupag Chinasky

Die Kneipe war Scheiße und er war hier nur gelandet, weil er keinen Bock hatte, allein in diesem trostlosen Hotel zu sitzen und weil das Hotel gleich um die Ecke war und weil es regnete und er keine Lust hatte, eine andere Kneipe zu suchen und weil die meisten heute ohnehin geschlossen waren und weil und weil. Einen richtigen, triftigen Grund gab es nicht.

Das frische Bier schmeckte deutlich besser als das abgestandene, aber sein Bauch war voll, seine Geschmacksnerven konnten kaum noch etwas unterscheiden. Er griff nach der Zigarettenschachtel neben dem Bierdeckel. Leer. Er zerknüllte sie.
„Gibt es hier Zigaretten?“
„Unten im Klo ist der Automat.“
Bei den Worten spürte er plötzlich Druck auf der Blase.
Er stützte die Arme auf die Theke, um sich hoch zu wuchten und stieg, leicht schwankend, die Treppe hinunter.
„Ich saufe zu viel“, dachte er. „Das ist nicht gut, aber was soll’s, besser als gar nicht mehr saufen können.“
Im Klo stank es nach Pisse und Pinkelsteinen. In den Urinalen standen kleine Tore, die Bälle sollte man mit seinem Strahl ins Tor kicken, damit man nicht zuviel neben die Becken ablud. Es wollte und wollte nicht kommen. Druck war doch da, verdammt. Er ächzte und drückte. Ein anderer Typ öffnete die Tür, stellte sich neben ihn. Wenn beim Pinkeln einer neben ihm stand, ging gar nichts. Also Schluss machen und hoch gehen? Nein, dann musste er gleich wieder runter, er musste ja, der Druck war echt. Er wartete. Endlich war der Typ neben ihm fertig. Warum brauchte der nur so lange um die letzten Tropfen umständlich von seinem Schwanz zu schütteln und die Hose zuzuknöpfen? Dabei schaute er auch noch mitleidig zu ihm hin.
„Hau bloß ab, du Arsch“, dachte er und fing wieder an zu drücken.
Endlich! Der Ball flog mehrfach in das Tor.

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