Abwege

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Abwege

Yupag Chinasky

Wo war den hier der Zigarettenautomat? Deswegen war er doch gekommen. Neben dem Handwaschbecken hing nur der mit den Kondomen. Im Vorraum sah er auch keinen. Da war zwar viel Krimskrams, Garderobenständer, Postkartenständer, ein Schrank, Stühle, ein Sofa, aber kein Automat. Hatte er ihn übersehen, als er die Treppe heruntergestiegen war? Er stieg sie wieder hoch. Nichts. Den Wirt, den Arsch, wollte er nicht noch einmal fragen. Er stieg wieder runter. Links Männerklo, rechts Frauenklo. Wo, um alles in der Welt, könnte der Scheißautomat versteckt sein? Er stierte in die Runde. Die werden den doch nicht ins Frauenklo gehängt haben? Er öffnete die Tür, machte einen Schritt in den Vorraum. Eine Frau stand am Waschbecken.
„Du Spanner, mach das du raus kommst“ kreischte sie.
„Tschuldigung, ich wollte nur…“.
„Ich weiß, was du wolltest. Aber nicht hier. Nicht, wenn ich hier drin bin.“

Aber Halt, dahinten war ja noch eine dritte Tür, mit dem Hinweis „Privat“. Vielleicht war er da dahinter? Sie war offen und führte in einen langen Gang. Er tastete nach dem Lichtschalter. Der Gang war leer. An seinem Ende, eine weitere Tür. Auch die unverschlossen. Er befand sich im Untergeschoss eines Treppenhauses, vermutlich im Nebengebäude. Er stieg die Treppe hoch. Im Erdgeschoss eine Etagentür mit Milchglasscheiben. Sie war verschlossen. Ein Schild verkündet, dass hier eine „Venus - Film und Video GmbH&Co“ ihren Sitz hat. Im ersten Stock war die Etagentür offen. Auch hier ein Schild „World-Fun-Private-Studio“. Er betrat wieder einen Flur, Türen links, Türen rechts. Manche waren halb offen, aus ihnen fiel Licht in den Flur. Aus manchen Räumen drang Musik, aus anderen ertönten Stimmen, Gesprächsfetzen, Gelächter. Eine Frau sang.

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