Er nahm das alles hin, weil ihm diese Besuche nicht nur großes Vergnügen bereiteten, sondern auch sein Selbstbewusstsein stärkten, weil er sich so richtig als Mann fühlen konnte. Zudem hatte er keine anderweitige Verpflichtungen und genug Geld und Zeit, um sich dieses extravagante Hobby leisten zu können. Es gab auch niemanden in seinem Leben, vor dem er sein Tun hätte verantworten müssen oder der sich daran gestört hätte. Einerseits sehnte er sich manchmal nach einem intensiveren Kontakt, nach so etwas wie einer richtigen Freundschaft, nicht nur nach dem reinen Geschlechtsverkehr, obwohl der ganz ohne Frage die Basis ihrer Beziehung war. Aber alle Versuche, Nancy zu einem gemeinsamen Kinobesuch zu überreden oder zu einer Fahrt ins Grüne oder wenigstens einmal in einem Restaurant zu essen, lehnte sie entschieden ab. Nicht einmal in das Café wollte sie kommen, in dem sie sich an ihren ersten gemeinsamen Tagen getroffen hatten, weder allein noch mit ihren Schwestern. Er hätte Nancy auch gerne einmal zu sich eingeladen, allein oder mit Schwestern, um ihr sein Haus zu zeigen, um sie zu bekochen und um mehr Platz für ihre Spielchen zu haben, aber auch das wollte sie partout nicht. Die Schwestern hatten übrigens nicht viel zu sagen, Nancy war die Tonangebende, der Boss der Familie. So fanden ihre Treffen immer nur in der kleinen Wohnung in der Schwarzwaldstraße statt und immer nach diesem gut organisierten, inzwischen gut eingespielten Ritual. Trotz des gelegentlichen Wunsches nach mehr Nähe war er letztlich doch ganz froh, dass eine Distanz gewahrt wurde und dass es keine Überraschungen gab, die ihn nur irritiert hätten. Die Beziehung zu den afrikanischen Schwestern hatte etwas Geschäftliches an sich, wie regelmäßige Restaurantbesuche in einem Stammlokal oder wie Theaterbesuche mit einem Abo. Man zahlt und genießt und hat ansonsten keine weiteren Verpflichtungen.
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