Nein, soll sie doch zum Teufel bleiben, wo sie ist. Schon im nächsten Moment machte er sich wieder Sorgen. Vielleicht war etwas passiert? Vielleicht ein Überfall oder ein Unfall? Ob er nicht lieber die Polizei anrufen sollte? Wer ist verschwunden? Ihre Geliebte? Wie heißt sie denn? Nancy und weiter? Wie lange, sagen sie, ist sie verschwunden? Seit drei Stunden? Warten Sie ab, guter Mann, wenn sie morgen nicht wieder da ist, können Sie sich wieder melden, bis dahin können wir gar nichts machen. Auf dieses Gespräch oder so ein ähnliches, konnte er gut verzichten, außerdem hätte er gar nicht gewusst, in welcher Sprache er mit der Polizei reden sollte, Deutsch konnten die bestimmt nicht. Er holte sich einen Whisky aus der Minibar und dann noch ein Bier. Schließlich ging er ins Bett, wälzte sich aber endlos herum, schlief nur kurz ein, denn die Wut und die immer noch vorhandene Sorge, hielten ihn wach. Als es an der Zeit war, ging er zum Frühstück und aß lustlos. Er sollte einfach abreisen, dachte er, dann könnte sie sehen, wo sie bliebe? Schließlich wählte er ihre Nummer.
Sie nahm nach dem zweiten Klingeln ab. „Nancy here“. „Where are you? What have you done, why did you leave me alone?“ „Don‘t worry, I will come in a minute“. Dann legte sie auf, ohne noch etwas zu sagen oder etwas zu erklären oder sich gar zu entschuldigen oder das anzuhören, was er noch loswerden wollte. Und tatsächlich kam sie eine gute halbe Stunde später. Er war wieder in das Zimmer hinaufgegangen. Es klopfte, obwohl sie ja einen eigenen Schlüssel hatte. Er rief, sie solle eintreten. Sie öffnete die Tür, steckte erst zaghaft den Kopf in den Raum, sah sich um, sah ihn an, lächelte ihn an, dann betrat sie das Zimmer, ließ aber die Tür halb offen. Bevor er anfangen konnte, ihr Vorwürfe zu machen, sie zu befragen, sie auszuschimpfen, sah er den Mann. Es war ein junger, dunkelhäutiger Mann, etwa in ihrem Alter, der plötzlich im Zimmer stand.
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