Die afrikanischen Schwestern

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Die afrikanischen Schwestern

Die afrikanischen Schwestern

Yupag Chinasky

Sie brauche ihn nicht mehr und er solle machen, dass er wieder in seine beschissene Stadt und in sein beschissenes, langweiliges Leben zurückginge. Er hatte sie noch nie so wütend gesehen und noch nie so laut schreien gehört. Hinzu kam, dass der Cousin sie inzwischen lautstark unterstütze, da aber sein Englisch noch viel schlechter als ihres war und er vor lauter Aufregung gar nicht richtig hinhörte, verstand er absolut nichts von dem, was dieser Kerl zu sagen hatte, aber allein der Ton und die immer bedrohlichere Körperhaltung reichten aus, um ihm Angst einzujagen. Das Treffen endete damit, dass Nancy ihre Tasche nahm, die noch nicht ausgepackt war und dass beide grußlos das Zimmer verließen. Was blieb ihm übrig, als ebenfalls zu gehen und mit dem nächsten Zug in seine beschissene Stadt und in sein beschissenes Leben zurückzukehren.

Natürlich ging er nicht mehr in die Zweizimmerwohnung in der Schwarzwaldstraße. Auch nach einigem zeitlichen Abstand war er immer noch beleidigt. Am meiste ihn Nancys Bemerkung über sein erektiles Unvermögen gekränkt, das musste er sich bei Gott nicht bieten lassen. Aber irgendwann stellte er sich dann doch ernsthaft die Frage, ob das ganze Zerwürfnis vielleicht nur ein gewaltiges Missverständnis war. Konnte es nicht sein, dass Nancy, aus welchen Gründen auch immer, vielleicht war doch Rauschgift im Spiel, ausgeflippt war. Konnte es nicht sein, dass es wirklich ernsthafte Familienprobleme gegeben hatte, die sie aus der Fassung gebracht und sie unzurechnungsfähig gemacht hatten? Er kam zu dem Schluss, dass es an ihm war, einen Schritt auf sie zuzumachen, um wenigstens herauszufinden, was eigentlich los war. Außerdem musste er sich eingestehen, dass er die Treffen mit den Schwestern sehr vermisste, dass er seitdem unzufrieden und unbefriedigt war und sich diesen schönen Zustand wieder herbeisehnte.

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