Auch wenn ich dem nicht nachgegeben hatte, es hatte mich zusätzlich verletzt. Mit warmherzigem, unausgesprochenem Spott zeigte ich ihnen nun die kalte Schulter, die aber für mich genuss- und für sie leidvoll.
Hier nun im Reich der dunklen Lüste wählte ich die üblichen Accessoires, so weit sie meinem Geschmack entsprachen. Dinge, die eindeutig besetzte Signalfunktion im Bereich der klassischen Sado-Maso-Szene besaßen, ließ ich weg. Auch wenn ich zunächst nur allein sein wollte, sollten Missverständnisse jeglicher Art vermieden werden. Ich will nie mehr auf eine Rolle festgelegt werden. Die Masken stießen mich ab, ich hasse sie. In mein in der zügellosen Zeit mit Juan wurzelndes Entsetzen vor dem anonymen und gesichtslosen Gegenüber mischte sich die Fassungslosigkeit über die Lächerlichkeit eines derartigen Auftretens, mag es auch psychologisch noch so gut erklärbar sein. Ich könnte bei meinem Gegenüber nur die schmückende Augenmaske akzeptieren, die die Gesichtszüge unbedeckt und Emotionen erkennen lässt, die dem Wunsch des Trägers nach Anonymität also nur insoweit entgegenkommt, als es diesen symbolisch, nicht aber tatsächlich umsetzt. Mochte mir hier auch einmal mein Gerichtspräsident gegenübertreten, so wollte ich ihm ins Gesicht sehen können. In das Dunkel der Binde, in die Hilflosigkeit der Fessel würde ich mich nur noch begeben, wenn ich dem oder den Menschen, die für mich Sorge tragen, bedingungslos vertrauen kann. Das Nein war nun ein wesentlicher Bestandteil meines Instrumentariums und wenn ich mich darbieten sollte, dann wäre es niemals mehr Unterwerfung, bestenfalls dem äußeren Anschein nach. In Wahrheit gebiete ich und übertrage umfassende Verantwortung für mein Empfinden, mein Erleben, meine Erfüllung, mein Wohlergehen. Das war mein fester Vorsatz.
So stand ich vor der Spiegelwand, stolz, zufrieden.
Agnes und ich
Tinas Geschichte - Teil 23
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Agnes und ich
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