Wie oft wurde uns das bei den Lehrgängen gepredigt. „Keine Alleingänge starten“!
Aber ich konnte jetzt nicht warten. Hier zählte jede Sekunde! Schon viel zu lange lag die Frau dort verschüttet. Es grenzte eh schon an ein Wunder, dass sie überhaupt noch lebte. Und es lag mindestens noch eine weitere Person da unten. Die Frage, ob es ‚retten‘ oder ‚bergen‘ war, konnte ich noch nicht abschließend beantworten.
Der Hundeführer leuchtete in die Höhle, meine Helmleuchte war jetzt Gold wert. Durch sie hatte ich die Hände frei. Sie leuchtete genau dahin, wo ich hinsah. Perfekt!
Es war verflucht eng. Ich musste aufpassen, dass ich mit meinem Gewicht nicht tragende Teile verschob. Es wäre der sichere Tod für mich gewesen. Keine Ahnung, wie viele Tonnen Sperrgut über uns zusammengeschichtet waren. Von irgendwo lief Wasser in die Höhle, suchte sich seinen Weg durch den Schutt und verschwand ohne Schaden anzurichten im Erdreich. Ich hoffte, hier ragten nicht abgerissene Stromkabel hinein, die wohlmöglich noch Strom führten. Aber den Gedanken daran konnte ich schnell ausblenden.
„Ich bin auf dem Weg zu Ihnen. Versuchen Sie ruhig zu bleiben. Ich hole Sie da raus, das verspreche ich.“, sagte ich laut. Vielleicht konnte sie mich hören und dadurch neue Hoffnung schöpfen. Jetzt zahlte sich aus, dass ich regelmäßig Sport machte und mich viel bewegte. Ich musste mich schon ziemlich verbiegen, um durch den schmalen Spalt zu robben.
Ich war bei dem Arm angekommen. Vorsichtig legte ich den dazugehörigen Körper frei. Das dauerte, ich musste suchen und sehr genau überlegen, wo ich den Schutt hinlegen konnte. Größere Teile erforderten zudem enorme Kraft. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte ich einen kleinen Jungen freigelegt. Ich suchte an seiner Halsschlagader nach Puls. Leider vergeblich. Verdammter Mist! Ausgerechnet! Staub legte sich beim Atmen auf meine Lungen. Ich musste husten.
Subjektive Meinung
schreibt Thunders
Ahrweiler
schreibt franzl