Der kleine Junge war komplett grau vom Dreck. Haare, Gesicht, Kleidung, einfach alles.
Auf meinem Weg zurück zum Spalt zog ich ihn mit mir. Vorsichtig! Die Arme des Hundeführers streckten sich mir entgegen. Es tat gut zu wissen, dass da oben noch jemand war.
Ich schob den kleinen Jungen in seine Richtung, bis mein Helfer ihn am Pullover packen und nach oben ziehen konnte.
Es erfüllte mich mit Trauer, aber jetzt war keine Zeit zum Nachdenken. Das Leben der Frau stand auf dem Spiel.
Bei aller Tragik konnte mein Fund immerhin dazu beitragen, dass seine Eltern von ihm Abschied nehmen konnten und
ihn liebevoll beerdigen durften.
Ich war zurück in den Hohlraum gekrochen. Pling … Pling … Pling …! Das Schlagen von Metall auf Metall war jetzt deutlich lauter. Und ich konnte genau orten, woher es kam. Ich musste ein paar sperrige Trümmer zur Seite stemmen.
Der Platz in dem kleinen Hohlraum war eh schon sehr eng. Ich konnte mich kaum darin bewegen. Hier auch noch Platz für hinderliche Brocken zu finden, war nahezu unmöglich. Ich rief dem Helfer zu, dass ich einen Korb bräuchte, mit dem wir den Schutt nach oben befördern konnten. Den ganzen Haufen von oben nach unten abzutragen, würde viel zu lange dauern und wäre für die Überlebende viel zu gefährlich. Schräge Platten könnten abrutschen und sie im schlimmsten Fall köpfen. Gliedmaßen würden vielleicht unnötig ge- oder zerquetscht.
Nein, es galt eine andere Lösung zu finden! Schonend und kalkulierbar für Retter und Opfer. Schlimm genug, dass der Junge sein Leben auf so tragische Weise verloren hatte. Die Nähe seines Fundortes zu dieser Frau ließ auf eine Familie, zumindest auf seine Mutter schließen. Kurz kam in mir der schreckliche Gedanke auf, dass in diesem Trümmerfeld eine ganze Familie begraben sein könnte.
Der Junge war noch nicht alt, sein Alter wegen der starken Verschmutzung kaum zu schätzen. Vielleicht so 4 bis 7 Jahre alt? Wenn meine Schätzung einigermaßen stimmte, galt es hier eine junge Familie zu finden und zu retten.
Auf dem Korb konnte ich nicht warten. Stein für Stein warf ich durch den engen Spalt nach oben. Ich hatte keine Ahnung, wie instabil der Schutthaufen war. Aber das Risiko, selbst verschüttet zu werden, musste ich einfach auf mich nehmen.
Subjektive Meinung
schreibt Thunders
Ahrweiler
schreibt franzl