Ich musste es einfach tun, keine Ahnung warum, aber ich küsste sie auf die Stirn, kurz bevor sie oben aus dem Spalt verschwand.
Ich sank erschöpft zusammen.
Draußen war es still geworden. Die meisten der Maschinen waren abgestellt. Die Bewohner und Helfer hatten sich in die wenigen bewohnbaren Häuser zurückgezogen. Jeder, der irgendwo eine brauchbare Schlafstelle anzubieten hatte, tat das. Wildfremde Menschen teilten sich ihre Häuser und gewährten Unterkunft. Nahrung, Kleidung, Werkzeug, alles wurde geteilt. Niemals zuvor hatte ich gesehen, dass aus einem Dorf oder einer Stadt, eine kleine Armee wurde, die gegen einen gemeinsamen Feind ankämpfte. Es spielte keine Rolle, wem was gehörte. Wer eine ‚Waffe‘ brauchte, bekam sie von irgendwoher.
Erst jetzt begriff ich, dass ich gerade einem Menschen vermutlich das Leben gerettet hatte. Über drei Stunden hatte der Kampf gedauert und ich hatte gesiegt. Schon oft hatte ich bei Autounfällen Menschen aus ihren Autos herausgeschnitten und ihnen so den Weg ins Krankenhaus freigemacht. Aber das hier war etwas völlig anderes. Schon rein emotional auf einer ganz anderen Ebene. „Ich will wissen, wo ihr sie hinbringt.“,konnte ich den Sani’s noch hinterherrufen.
Völlig ausgepowert schleppte ich mich zu meinem Zelt. Ich freute mich auf mein Feldbett und etwas Einsamkeit. Vielleicht wäre es eine gute Idee, morgen den Seelsorger aufzusuchen. Der Anblick des kleinen Jungen ließ mich nicht los. Und dann dieser Schrei, dieser unmenschliche Schrei der jungen Frau! Ich konnte nicht glauben, dass ein menschliches Wesen solch ein Geräusch verursachen konnte. Unfassbar!
Ich musste weinen, konnte es nicht verhindern, dass mir dicke Tränen über die Wangen liefen. Erst der zerschmetterte kleine Körper, dann dieser Schrei. Ich hatte ihr weh getan, sehr weh sogar. Dabei könnte ich einem Menschen niemals etwas zuleide tun. Aber heute hatte ich keine andere Wahl.
Subjektive Meinung
schreibt Thunders
Ahrweiler
schreibt franzl