Ahrweiler – Teil II

oder: das Buch des Lebens

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Ahrweiler – Teil II

Ahrweiler – Teil II

Gero Hard

gesicherte Existenz nennen musste.

Und Imke? Sie hatte alles verloren. Mann, Kind, Haus, … einfach alles. Natürlich könnte ich ihr anbieten, sie mit einem großzügigen Darlehen zu unterstützen. Aber ich kannte sie, ihr Stolz würde niemals zulassen, dies anzunehmen.

Ich musste einen Weg finden, ihr irgendwie zu helfen. Notfalls dadurch, dass ich hierbleiben und ihr beim Aufbauen helfen würde.

Gefühle? Sie war eine Freundin für mich. Und zwar eine gute, aber nicht mehr meine Beste. Und Liebe spürte ich nicht mehr für sie. Allerdings war sie mir nicht gleichgültig und ich mochte sie immer noch. Aber vor allem wollte ich ihr eine Stütze sein. Physisch und psychisch.

****

Ich freute mich auf meine ehemalige Freundin. Freute mich darauf sie wiederzusehen und ihre Stimme zu hören.

Heute sah sie schon viel besser aus. Ihre Haut hatte wieder etwas von ihrer rosigen Farbe zurückbekommen. Sie lächelte und hob kurz die Hand zum Gruß, als ich in ihr Zimmer kam. Ich grinste zurück und sagte: „Hey, wie geht’s dir?“

Sie streckte mir beide Arme, auch den gebrochenen, entgegen: „Kriege ich keine Umarmung mehr?“

Wie gestern verfolgte sie mich mit ihren Augen, bis ich sie umarmt und mich neben sie gesetzt hatte.

„Es ist schön, dass du mich besuchst. Es geht mir schon etwas besser. Aber der Schmerz in meinem Bein ist nichts im Vergleich zu dem in meinem Herzen. Markus und Lennart fehlen mir so sehr. Und es bricht mir das Herz, dass ich sie nicht mehr sehen konnte, bevor sie beerdigt wurden.“

Ich konnte sehen, wie sie versuchte die Tränen zu unterdrücken. Von mir aus hätte sie das nicht müssen. Dass sie trauerte, war doch völlig logisch und natürlich.

„Maus, du darfst ruhig weinen. Du musst es sogar. Es gehört zum Trauern dazu. Bitte versteck deine Tränen nicht. Und schon mal gar nicht vor mir.“

„Flo, erzähl mir bitte alles.“

„Was genau meinst du?“

„Wie du mich gefunden und gerettet hast.“

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Ahrweiler

schreibt franzl

Kann man diese tragische Entwicklung noch ergreifender, bewegender beschreiben? Ich denke, nein. Der Autor hat es verstanden, uns dieses schreckliche Ereignis mit seinem Beitrag angesichts der schnelllebigen Zeit wieder in Erinnerung zu rufen. Dafür gebührt ihm Dank. Frajol.

Gedichte auf den Leib geschrieben