Ahrweiler – Teil II

oder: das Buch des Lebens

76 20-31 Minuten 1 Kommentar
Ahrweiler – Teil II

Ahrweiler – Teil II

Gero Hard

An dem Abend, nach meinem zweiten Besuch bei Imke, passierte nichts Außergewöhnliches mehr. Wobei die ganze Stadt unwirklich war und die Lage, auch fast vier Wochen nach der Flut, mehr als nur außergewöhnlich war.

Wir schoben weiter Schlamm aus den Häusern, räumten zerbrochene Baumaterialen von den Straßen, beluden Lkw und verteilten warme Getränke und Nahrung. Nach und nach trafen erste Hilfsgüter ein. Kleidung und Geld wurden an die Bewohner verteilt und noch bewohnbare Wohnungen und Häuser konnten mit ersten Möbeln versorgt werden. Tagsüber herrschte reges Treiben in den Straßen, die schon fast wieder überall befahrbar waren.

Es war klar, dass unser Einsatz nicht verlängert werden musste. Die meisten meiner Männer und Frauen, die ich mit hierhergebracht hatte, konnten dieses ohnehin nicht. Berufliche oder nachvollziehbare private Gründe, verhinderten das.

Es hatten sich viele Freundschaften gebildet, die sicher auch noch lange nach der Katastrophe Bestand haben würden.

Telefonnummern und Adressen wurden getauscht, gegenseitige Besuche vereinbart und auch spätere Hilfe zugesagt.

Und ich? Ich hatte Imke wiedergefunden! Und ich würde sie mit an die Weser nehmen, wenn sie es den wollen würde.

Aber was bedeutete das für mich? Musste ich mir über meine Gefühle im Klaren werden? Gab es denn überhaupt noch

welche? Vieles, ja auch wir selbst, hatten uns in den letzten Jahren verändert und dennoch waren wir immer noch ‚Imke und Florian‘. Doch jetzt waren wir noch verschiedener als damals. Erwachsener und reifer.

Ich hatte mein gut gehendes Atelier, ein gut gefülltes Bankkonto, ein bezahltes Haus … kurz: Das, was man eine

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 3636

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Ahrweiler

schreibt franzl

Kann man diese tragische Entwicklung noch ergreifender, bewegender beschreiben? Ich denke, nein. Der Autor hat es verstanden, uns dieses schreckliche Ereignis mit seinem Beitrag angesichts der schnelllebigen Zeit wieder in Erinnerung zu rufen. Dafür gebührt ihm Dank. Frajol.

Gedichte auf den Leib geschrieben