An dem Abend, nach meinem zweiten Besuch bei Imke, passierte nichts Außergewöhnliches mehr. Wobei die ganze Stadt unwirklich war und die Lage, auch fast vier Wochen nach der Flut, mehr als nur außergewöhnlich war.
Wir schoben weiter Schlamm aus den Häusern, räumten zerbrochene Baumaterialen von den Straßen, beluden Lkw und verteilten warme Getränke und Nahrung. Nach und nach trafen erste Hilfsgüter ein. Kleidung und Geld wurden an die Bewohner verteilt und noch bewohnbare Wohnungen und Häuser konnten mit ersten Möbeln versorgt werden. Tagsüber herrschte reges Treiben in den Straßen, die schon fast wieder überall befahrbar waren.
Es war klar, dass unser Einsatz nicht verlängert werden musste. Die meisten meiner Männer und Frauen, die ich mit hierhergebracht hatte, konnten dieses ohnehin nicht. Berufliche oder nachvollziehbare private Gründe, verhinderten das.
Es hatten sich viele Freundschaften gebildet, die sicher auch noch lange nach der Katastrophe Bestand haben würden.
Telefonnummern und Adressen wurden getauscht, gegenseitige Besuche vereinbart und auch spätere Hilfe zugesagt.
Und ich? Ich hatte Imke wiedergefunden! Und ich würde sie mit an die Weser nehmen, wenn sie es den wollen würde.
Aber was bedeutete das für mich? Musste ich mir über meine Gefühle im Klaren werden? Gab es denn überhaupt noch
welche? Vieles, ja auch wir selbst, hatten uns in den letzten Jahren verändert und dennoch waren wir immer noch ‚Imke und Florian‘. Doch jetzt waren wir noch verschiedener als damals. Erwachsener und reifer.
Ich hatte mein gut gehendes Atelier, ein gut gefülltes Bankkonto, ein bezahltes Haus … kurz: Das, was man eine
Ahrweiler
schreibt franzl