„Flo, hast du mir mit deinem Daumen über die Stirn gestreichelt, als ich geschlafen habe?“, begann sie leise.
„Ja!“, nickte ich.
„Und hast du mich geküsst und mir über die Haare gestreichelt, als ich bewusstlos auf der Trage gelegen habe?“
„Ja, dass auch!“
„Ich habe das gespürt. Beides. In der Höhle und auch in meinem Traum.“
„Aber du hast das nicht geträumt, es ist tatsächlich passiert.“
„Ja, das ist wohl so. Und stimmt es, was der Pastor und die Polizei gesagt haben, dass du meinen Sohn gefunden hast?“
Ich biss mir auf die Lippen und bekam feuchte Augen. Sofort hatte ich wieder die Bilder von diesem kleinen Jungen vor meinen Augen und bekam einen dicken Kloß im Hals. Die Stimme versagte mir und deshalb blieb nur ein leichtes Nicken. Ihr reichte das.
„Sah er schlimm aus?“
„Nein. Fast so, als wäre er friedlich eingeschlafen.“ Ich konnte ihr die Wahrheit nicht sagen. Noch nicht. Vielleicht später, wenn sie den Tod ihrer geliebten Menschen verarbeitet hatte.„Er war so ein lieber Junge.“ Haltloses Schluchzen begleitete diesen kurzen Satz. Ich setzte mich dicht zu ihr und nahm ihre Hand. Sie entzog sie mir nicht, sondern versuchte sie dankbar zu drücken.
„Kannst du mich mal in den Arm nehmen?“, bat sie.
Das würde ich auch bei jedem anderen Menschen tun, um ihn zu trösten. Aber bei Imke umso lieber. Und es erfüllte mich mit tiefempfundener Freude, dass dieser Wunsch von ihr ausging.
Wortlos beugte ich mich über sie, vorsichtig, um ja nicht an die Schnüre zu kommen, die ihr Bein hielten. Sie hob ihren Oberkörper so gut sie konnte an, damit ich mit meinen Armen um sie herumkam.
Ich drückte diesen schlanken Körper an mich und sie legte ihre Arme locker um meine Schultern. Ich spürte genau, dass
sie weinte und zitterte. Dann fielen ihre Arme von mir ab und ich dachte, sie wollte die Umarmung auflösen.
„Und Markus?“, fragte sie plötzlich.
„Von einem Balken am Kopf getroffen und das Gewicht der Mauerreste hat ihm den Atem genommen.“
Ahrweiler
schreibt franzl