„Hhmmm…“, nickte sie. „Karma!“
„Was?“, fragte ich, nicht sicher, ob ich das richtig verstanden hatte.
„Karma.“, zuckte sie mit den Schultern. „Lennart war nicht sein leiblicher Sohn. Ich bin nach einer Party vergewaltigt worden und das hat er Lennart immer wieder spüren lassen. Markus war sehr streng mit ihm und hat ihm auch manchmal den Hinter versohlt. Er war eigentlich kein schlechter Kerl, aber nach der Vergewaltigung hatte er sich verändert, auch mir gegenüber. Er hat sich vor mir geekelt, wollte mich nicht mehr anfassen! Sex gab es auch nur, wenn er vorher ein paar Gläser Wein getrunken hatte.“
„Ach du Scheiße …, du Ärmste.“, mir fehlten die Worte, doch meine Augen mussten Bände sprechen.
„Ne, ist schon ok. Ich konnte ihn ja sogar verstehen. Ich habe mich selbst vor mir geekelt. Aber weißt du was, Flo? Ich habe ihn bis zum Schluss geliebt. Er war kein guter Vater, das ganz bestimmt nicht, aber er hat sich bemüht ein guter Ehemann zu sein. Und jetzt kann ich die beiden nicht einmal beerdigen.“
„Sie wurden bereits beerdigt, nachdem sie von Anwohnern identifiziert wurden. Versuch sie so in Erinnerung zu behalten, wie sie zuletzt waren. Es tut mir wirklich so unendlich leid. Ich weiß grad gar nicht, was ich sagen soll. Vergewaltigt, schwanger von einem Fremden und dann jetzt das Hochwasser. Imke … ich … mein Einsatz dauert noch eine gute Woche hier. Ich würde dich gerne …!“
„Mitnehmen?“
„Ja! Mitnehmen. Hier ist alles verloren für dich. Du könntest wieder bei deinen Eltern wohnen. Vorerst, bis du wieder auf eigenen Beinen stehen kannst.“
„Aber meine Familie liegt hier begraben.“
„Das verstehe ich. Denke in Ruhe darüber nach. Und wenn du magst, reden wir darüber. Ich muss leider wieder los, meine Schicht fängt in einer Stunde an.“
Eine Zeitlang war eine betretene Stille im Raum. Ich stand auf, beugte mich über sie und gab ihr einen sanften Kuss auf die Wange.
Ahrweiler
schreibt franzl