Ahrweiler – Teil II

oder: das Buch des Lebens

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Ahrweiler – Teil II

Ahrweiler – Teil II

Gero Hard

„Du magst mich nicht mehr?“, fiel sie mir ins Wort

„Doch, ich mag dich immer noch. Ich habe dich oft vermisst.“ Ihre Augen waren feucht und auch meine Stimme war etwas brüchig geworden.

„Maus, hast du hier jemanden, wo du unterkommen kannst? Der dich betreut? Sich um dich kümmert, damit du in Ruhe dein Bein auskurieren kannst?“

„Bitte hör auf mich ‚Maus‘ zu nennen, ok?“

„Du nennst mich doch auch noch ‚Flo‘, genau wie früher. Da dachte ich …!“

„Nicht denken. Wenn ich das nicht mehr darf, dann lass ich es eben.“

„Ne, ne, schon gut. Es stört mich nicht.“

Ich bekam eine Adresse von ihr. Dort sollte ich nach einer Susanne Weber fragen. Und ich sollte nachsehen, ob das Haus noch bewohnbar war. Imke war sich ziemlich sicher, dass die Wassermassen nicht bis zu dieser Adresse gekommen sein konnten, weil das Haus etwas erhöht am Stadtrand gebaut war.

Für diesen Tag hatten wir uns wohl nichts mehr zu sagen. Die Stimmung war leicht unterkühlt. Sie hatte mittlerweile auch meine Hand losgelassen, die sie nach meiner Umarmung genommen und bis vor wenigen Augenblicken nicht mehr hergegeben hatte. Kein böses Wort war zwischen uns gefallen, sondern wir hatten nur unsere unterschiedlichen Standpunkte dargelegt. Und trotzdem hatte das Gespräch einen bitteren Beigeschmack bei mir hinterlassen.

„Ich muss los.“, log ich sie an, nur um mich aus dieser Situation herauszunehmen. „Ich gehe bei deiner Freundin vorbei und spreche mit ihr. Und wenn was ist, hier ist meine Karte. Du kannst mich 24/7 anrufen.“

Sie sah sich die Karte an und nickte: „Danke.“ Natürlich spürte sie genauso wie ich, dass die Stimmung gekippt war. Vermutlich fragte sie deshalb nicht, ob ich den nächsten Tag wiederkommen würde. Und ihr „mach‘s gut“ klang, als würde sie auch nicht damit rechnen.

****

Am nächsten Tag ging ich zu der Adresse, die Imke mir genannt hatte. Susanne Weber schaute mich skeptisch an, als sie die Haustür öffnete.

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Ahrweiler

schreibt franzl

Kann man diese tragische Entwicklung noch ergreifender, bewegender beschreiben? Ich denke, nein. Der Autor hat es verstanden, uns dieses schreckliche Ereignis mit seinem Beitrag angesichts der schnelllebigen Zeit wieder in Erinnerung zu rufen. Dafür gebührt ihm Dank. Frajol.

Gedichte auf den Leib geschrieben