Ahrweiler - Teil IV

oder: nach einem Ende, folgt immer ein neuer Anfang

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Ahrweiler - Teil IV

Ahrweiler - Teil IV

Gero Hard

Etwas schüttelte an meiner Schulter. „Herr Göllner …, aufwachen …, sie haben verschlafen!“ Nur langsam kehrte das Leben in meinen Körper zurück und mein Gehirn stellte fest, dass ich mit meiner halbvollen Bierflasche auf dem Bauch eingeschlafen war. Die Decke, meine Klamotten, die Couch, der Teppich… alles stank fürchterlich nach Bier.

Ich schwang meine Beine vom Sofa und murmelte: „Tut mir leid, Irena.“

Meine Putzfrau schaute mir ungläubig hinterher und schüttelte lachend den Kopf. In so einem desolaten Zustand hatte sie mich noch nie gesehen. Ich hörte gerade noch, wie sie mit ihrem polnischen Akzent laut „Männer!“, sagte, bevor ich dann schnell im Schlafzimmer verschwand. Die anschließende Dusche ließ mich wieder klare Gedanken fassen.

Unter dem heißen Wasser hatte ich beschlossen, heute nur kurz in der Agentur nach dem Rechten zu sehen, um danach mit vollgepacktem Auto zu Familie Schubert zu fahren. Vielleicht hatten die drei ja Lust, mit mir einen Ausflug zu machen. Ich wusste, dass der Zoo in Hannover oder das Klimahaus in Bremerhaven rollstuhltauglich waren. Ich hielt das für eine gute Idee, ging mit bester Laune ins Atelier und brachte meine Mitarbeiter auf den neuesten Stand.

Ich steckte noch etwas Bargeld ein, besorgte zwei Sträuße Schnittblumen und klingelte wenig später bei den Schuberts.

Um es kurz zu machen: Imke heulte Schnotten und Rotz, als sie den Berg neuer Kleidung sah. Ihr Mund wollte gar nicht mehr zugehen: „Sag mal, bist du denn wahnsinnig?“ Teil für Teil wurde befühlt, angehalten und bestaunt.

Eine Frau hat ein Auge für hochwertige und weniger hochwertige Kleidung. Und natürlich entging Imke nicht, dass die Unterwäsche vom Feinsten war. Immer wieder trafen sich unsere Blicke und sie schüttelte lächelnd den Kopf.

„Flo, kommst du bitte mal zu mir!“. Ich setzte mich vorsichtig neben sie. Ihr Gips war sperrig. Dann beugte sie sich zu mir und schmiegte sich fest an mich.

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