Und so war wohl auch die Rettung eine Prüfung und unsere Begegnung wohl kein Zufall.“
„Wenn das stimmt, dann bin ich glücklich, dass mein Buch so ein Kapitel für mich vorgesehen hatte. Wenn auch das Andere kein schönes Kapitel war.“ Womit sie vollkommen recht hatte.
„Dann komm, wir müssen runter!“
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Maria fiel klimpernd die Gabel, die sie gerade in ihr Rührei gesteckt hatte, aus der Hand, als ich mit Imke in das Hotelrestaurant gehumpelt kam. „Imke … was ... wie …?“, mehr brachte sie vor Überraschung nicht heraus.
„Ich will mit!“, sagte Imke knapp und gab ihren Eltern einen Begrüßungskuss auf die Wange. „Flo hat mir seine Hilfe für den Neustart angeboten, die ich gern annehmen würde.“
„Das freut mich wirklich. Schön, dass du zur Vernunft gekommen bist.“ Werner drückte und schüttelte kurz ihre Hand, so als wollte er ihr gratulieren.
So gut gelaunt hatte ich lange nicht mehr gefrühstückt. Imke und ich warfen uns immer wieder kurze Blicke zu. Und sowohl Maria als auch Werner schien ein dicker Stein vom Herzen gefallen zu sein.
Ich staunte nicht schlecht, was diese schlanke Frau für einen Appetit entwickeln konnte. Das Buffet war reichhaltig und wohl kein Vergleich zu den paar Happen bei Susanne und geschmacklich bestimmt eine ganz andere Liga. „Was denn? Ich habe‘ eben Hunger!“, war ihr Kommentar, als ihre Mutter sie unsanft anstupste. „Lange nicht so gut gegessen. Und jetzt, wo ich weiß, dass es weiter geht, ist die Anspannung weg. Das macht Hunger.“
Es machte mir Spaß ihr zuzusehen, wie sie trotz ihrer großen Trauer, neuen Lebensmut gefasst hatte. Und je länger ich sie ansah, desto besser gefiel sie mir. Nicht nur äußerlich! Sie hatte sich verändert, ihr Charakter war stärker geworden. Was ich sah und fühlte, passte gut zu unserem Gespräch von vorhin. Ich mochte sie immer noch sehr, log ich mich selbst an. Denn, wenn ich ganz genau in mich gehört hätte, wäre mir zu der Zeit schon klar gewesen, dass ich sie noch immer liebte.
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