„Na, weil ich doch nach Gyhum muss, in die Reha.“
„Gyhum? Das sind keine 50Km von hier, besser geht es doch gar nicht! Manch andere haben einen längeren Arbeitsweg. Schatz, ich besuche dich ganz oft.“
„Versprichst du das?“
„Indianerehrenwort.“, schwor ich.
Ich musste sie unbedingt wieder etwas aufmuntern! Ich war bereits in einem Stadium, wo es mir einen Stich versetzte, wenn sie traurig war.
Sie sah unbeschreiblich schön aus, als sie auf Krücken aus dem Hauseingang auf mich zukam. Ein leichtes Sommerkleid umschmeichelte ihre zarte Figur. Dazu hatte sie sich dezent geschminkt und ein paar hohe Schuhe angezogen. Ich zog sie an mich und küsste sie zur Begrüßung auf die Wangen.
„Ey, was ist los, habe ich Herpes oder was?“, dabei boxte sie mich auf die Brust und tippte sich mit der Fingerspitze auf ihre Lippen. Dann tat ich, was sie überdeutlich eingefordert hatte, ich küsste sie auf den Mund. Dabei legte sie ihre Hand in meinen Nacken, damit ich nicht aufhören konnte.
Mein Mund stand offen und sie lächelte, weil ich sie so anstarrte, nachdem dieser überaus zärtliche Kuss geendet hatte: „Maus, du siehst toll aus! Das Kleid steht dir prima!“
„Habe ich von Flo, kennst du den? Der hat einen verdammt guten Geschmack für einen Mann.“, grinste sie mich an.
„Flüchtig.“, lachte ich zurück.
„Müsstest ihn mal kennenlernen, ist’n ganz Netter. Du solltest mal sehen was ich drunter habe, das ist vielleicht schön. Hat er auch ausgesucht.“, sagte sie und küsste mich nochmal.
Es sollte ein wunderschöner Abend zu zweit werden. Daher hatte ich bei meinem Italiener des Vertrauens einen Tisch vorbestellt. Emilio verstand meinen Wink mit dem Zaunpfahl und gab uns einen Tisch in einer kleinen Nische, die nicht voll einsehbar war. Es war wie eine kleine Liebeslaube, leise Musik, guter Rotwein, Kerzenschein und leckeres Essen.
Es war einer dieser Abende, an denen Herzen schmelzen, oder auch brechen konnten.
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