Ich hatte im Vorfeld diesen Vormittag bereits als unproduktive Zeit abgeschrieben. Und so ließ ich Imke erzählen. Dass sie hier zur Schule gegangen war, dass wir mal ein Paar waren und, dass sie vor mir geflüchtet war, weil ich sie vernachlässigt hatte. Sie erzählte von ihrem Verlust: Mann, Sohn, Haus … und, dass ich sie gerettet hatte. Wie dankbar sie mir war, weil ich sie unterstützte und sie bei mir arbeiten durfte. Dann bedankte sie sich bei allen für den herzlichen Empfang.
Den ganzen Vormittag saßen wir im Besprechungsraum und plauderten, ein Cateringservice brachte ein paar Platten belegte Brötchen und die Kollegen stellten sich ebenfalls vor: Familienverhältnisse, Aufgabenbereiche, etc.
Es war ein lockeres Miteinander, bis Maja in ihrer unkomplizierten Art fragte: „Und, seid ihr jetzt wieder zusammen?“ Eben noch war es ein wildes Stimmendurcheinander, doch jeder im Raum hatte diese eine Frage gehört. Sofort war es still geworden, weil keiner die Antwort verpassen wollte.
Imke und ich sahen uns an und wurden in etwa gleich rot. Ich wollte gerade ansetzen, mich rauszureden, aber Imke kam mir zuvor.
„Florian ist ein ganz anderer Mensch geworden, im Vergleich zu früher. Ich habe das Gefühl, ihn völlig neu kennenzulernen. Hätte ich ihn auf der Straße getroffen, oder in einer Bar, hätte ich ihn bestimmt als arrogant eingestuft und ihn mit dem Arsch nicht angeguckt.
Aber … er ist warmherzig, sanft, mutig … oh ja, mutig, ich wäre niemals freiwillig in diesen Hohlraum geklettert. Aber er hat es gemacht, sonst wäre ich jetzt nicht hier.
Er ist großzügig, verständnisvoll, und … er küsst unglaublich gut. Ich weiß noch nicht, wohin die Reise geht. Aber ich würde sie auf jeden Fall mit ihm gehen wollen.“ Keiner hatte sich getraut dazwischen zu reden oder dumme Bemerkungen zu machen. Imke hatte mich immer wieder angesehen und ich glaubte feuchte Augen zu erkennen. Sie hatte versucht, alles so zu erzählen, dass der eine oder andere Lacher nicht ausblieb. Besonders der Teil, der mich als guten Küsser entlarvte, zauberte freches Grinsen auf die Gesichter der Mitarbeiter. Die Frauen nickten neidisch und die Männer winkten lässig ab.
Als sie fertig war, klopften alle auf den Tisch. Ich sah vor mich auf den Tisch und wusste, dass Imke es genauso gemeint, wie sie es gesagt hatte. Das war die schönste Liebeserklärung, die ich bis dahin gehört hatte.
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