Der Rolli stand achtlos vor der Eingangstür und neben ihr lagen zwei kleine Plastiktüten. Wenn das alles war, was sie mitnehmen wollte, dann musste mein Bankkonto ziemlich bluten, aber das war mir egal. Ich hatte in den letzten Jahren durch die hervorragende Arbeit meiner Firma reichlich Geld verdient. Jedoch nur sehr wenig Gelegenheit gehabt, mir mal etwas zu gönnen. Endlich machte das ganze Vermögen Sinn.
Imke winkte schon von Weitem. Sie lächelte und versuchte aufzustehen, wobei sie sich mühsam auf ihren Krücken abstützte.
Ich sprang aus dem Auto, den Motor ließ ich einfach laufen und ging mit ein paar schnellen Schritten zu ihr. Sie begrüßte mich mit zwei sanften Küsschen auf meine Wangen. „Danke Flo, dass du Wort hältst! Nimmst du bitte die Tüten?“
„Ist das alles?“, fragte ich, obwohl ich mir die Antwort eigentlich schon gedacht hatte. „Ja, mehr ist mir nicht geblieben.“
Ich nahm Imke um die Hüfte und stützte sie. Langsam humpelte sie mit meiner Hilfe zum Auto. „Susanne?“, fragte ich. „Die kann mich mal!“,war ihre trockene, knappe Antwort. „Oh, oh,“, dachte ich, „da muss es zwischen den beiden Frauen wohl ziemlich geraucht haben.“
Ich ging zum Haus, um die beiden Tragetaschen zu holen. „Was passiert mit dem Rollstuhl?“, wollte ich wissen.
„Darum kann sie sich kümmern. Das Ding hat sie hier angeschleppt. Außerdem hat sie mich frech gefragt, was sie dafür bekommt, weil sie mich ja durchgefüttert hat. Ich ihr mein letztes Geld gegeben. Da ist die Rückgabe des Rollstuhls ans Krankenhaus reichlich mit abgegolten.“, kam in einem verächtlichen Ton von Imke.
Ich schüttelte ungläubig den Kopf. Wie unverfroren und widerlich, dass Verhalten von Susanne, die doch vorgab ihre Freundin zu sein.
„Darf ich vorne sitzen?“, fragte sie mich, als ich ihr die hintere Tür öffnen wollte. Wortlos öffnete ich die Beifahrertür und fuhr den Sitz elektrisch ganz weit nach hinten.
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