„Bitte sehr Prinzessin!“. Dann hob ich sie auf den Ledersitz, in den sie sich sofort einschmiegte. „Übrigens, geile Karre.“, murmelte sie. Das hörte ich allerdings kaum noch, weil ich im selben Moment die Tür zuwarf, die dumpf ins Schloss fiel.
Wir hatten es nicht eilig, weil wir so früh dran waren. Imke blickte versonnen und traurig aus dem Seitenfenster. Für sie war es ein Abschied, wahrscheinlich für immer. Einen wesentlichen Teil ihrer Vergangenheit ließ sie hier zurück.
„Flo, fährst du bitte nochmal durch unsere Straße?“.
Den Gefallen wollte ich ihr nur zu gerne erfüllen. Sofort änderte ich den Kurs. Für mich bedeutete es nur einen kleinen Umweg, aber für sie war es wichtig, damit sie mit Ahrweiler abschließen konnte, soweit das eben möglich war.
Langsam ließ ich das schwere SUV durch die menschenleeren Straßen rollen. Ihr Blick glitt über die Häuserzeilen, die Höfe und die Ruinen, die nur noch auf ihren Abriss warteten. Es schien mir, als speicherte sie die letzten Eindrücke unauslöschlich in ihrem Gedächtnis ab. Sie sah nachdenklich aus. Etwas beschäftigte sie sichtlich.
„Maus, wir werden den Todestag deiner Familie jedes Jahr würdigen. Wir werden ihre Gräber herrichten und pflegen lassen. Wir werden jedes Jahr mindestens dreimal hierherkommen. Einmal zu ihrem Geburtstag, ihrem Todestag und dann am Totensonntag. Das verspreche ich dir!“
„Woher wusstest du …?“
„Ich habe es dir angesehen und ich habe dich gestern am Grab deines Sohnes gehört. Ich weiß, wie sehr du ihn geliebt hast.“
„Ja, das habe ich wirklich! Obwohl er mich an den schlimmsten Alptraum erinnert hat, den ich jemals erleben musste. Aber es war ja nicht seine Schuld.“
„Maus, ganz ehrlich, es ist vielleicht noch etwas früh darüber zu sprechen, aber ich möchte gern für dich da sein, dir helfen alles zu verarbeiten. Und ich möchte dir beim Neuanfang helfen.“
„Flo, du hast schon so viel für mich gemacht.
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