„Was möchtest du lieber, einen Jungen oder ein Mädchen?“, fragte sie mich in die Stille hinein.
Darüber hatte ich mir bisher nie Gedanken gemacht, auch früher nicht, als der Kinderwunsch immer mal wieder Thema war. Doch jetzt erwartete sie eine Antwort auf die Gretchenfrage.
„Beides hätte seinen Reiz. Ein Junge ist robuster. Er tobt mehr, springt in Pfützen, macht sich dreckig und will mit mir im Garten Fußball spielen. Und ein Mädchen würde ich behandeln wie eine Prinzessin. Mädchen sind zarter, eitler und spielen mit Puppen. Darin bin ich nicht so gut. Und trotzdem glaube ich, ich hätte lieber ein Mädchen, wenn ich es mir aussuchen dürfte.“
„Aber Mädchen sind zickiger. Siehst du doch an mir.“, lachte sie mich über ihre Schulter hinweg an.
„Mag sein. Und trotzdem. Mädchen sind doch sowieso eher Papa-Kinder. Aber weißt du was Schatz, es ist mir ganz egal, ich werde beides lieben und verwöhnen.“
Imke schien das als Antwort zu genügen. Sie kuschelte sich noch enger an mich und schnurrte wie eine Katze.
„Flo?“
„Ja mein Schatz?“
„Wie sehr liebst du mich auf einer Skala von 1 bis 10?“
„12.“
„Und das Kind?“
„Auch 12.“
„Aber das gibt es doch gar nicht.“
„Ok, dann eben 10++.“
„Hilfst du mir?“
„Wobei denn mein Engel.“
„Bei meiner Schwangerschaft. Wirst du Rücksicht nehmen? Wirst du mich trösten, wenn meine Stimmung in den Keller geht? Wirst du bei mir sein, wenn ich Schmerzen ertragen muss? Wirst du es mir bequem machen, wenn ich nicht richtig liegen kann? Und zuletzt: Wirst du mit mir schlafen, wenn ich es vor Geilheit kaum aushalten kann?“
Schon immer bewunderte ich Frauen, die Kinder austrugen. Nicht nur, dass sie eine ‚besondere‘ Schönheit hatten, sondern auch, wie tapfer sie die 40 Wochen meist klaglos ertrugen. 280Tage um sich auf ein völlig neues Leben vorzubereiten, mit oder ohne Partner. 280Tage um sich mental auf den Moment der Geburt vorzubereiten, die unvorstellbaren Schmerzen zu ertragen.
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