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Ich nahm ihre kaltschweißige Hand und versuchte sie dadurch zu beruhigen. Meine Knöchel wurden weiß, so doll drückte sie meine Finger zusammen.
„Was wollen wir hier?“, fragte sie mich, als ich neben dem großen Tor an unserem Friedhof geparkt hatte.
Eigentlich eine schön angelegte Ruhestätte, umgeben von Bäumen, idyllisch am Ortsrand gelegen. Ich hatte mir im Vorfeld ein an der Friedhofshecke gelegenes, friedlich-ruhiges Doppelgrab zuweisen lassen. Zielsicher folgte ich dem Lageplan in meinem Kopf und stand dann neben Imke vor zwei frisch aufgeworfenen Sandhügeln.
„Und nun?“, fragte sie mich erstaunt und zeigte auf die Erdhaufen.
„Lies doch mal.“, sagte ich und deutete auf die hübsch verzierten Messingschilder auf den Kreuzen.
Imke beugte sich hinunter und erfasste mit einem Blick was hier passiert war. Mit weit aufgerissenen Augen
und einer vor den Mund geschlagenen Hand, fing sie zu weinen an, was zu erwarten war, so oder so. Entweder sie weinte, weil sie stinksauer und wütend auf mich war oder sie weinte vor Rührung und vor Glück. Ich wusste es „noch“ nicht. Ich legte ihr die Hand auf den Rücken und streichelte sie.
„Was hast du getan?“, sagte sie leise, mehr zu sich selbst, „Wieso? Wie kommst du nur auf solche Ideen?“
In diesem Moment dachte ich nur ‚Au weia, das ging ja wohl voll nach hinten los.‘
Währenddessen richtete Imke sich auf, drehte sich zu mir und fiel mir blitzartig um den Hals. Sie weinte, laut, haltlos und lange. Ich ließ es zu, ermutigte sie, sich auszuweinen solange sie möchte. Meine Arme hatte ich um sie gelegt und streichelte ihren Rücken.
„Tut mir leid, dass ich das nicht mit dir abgesprochen hatte. Ich dachte … ich wollte doch nur, dass du deine Trauer in
der Nähe bewältigen kannst. Hier ist dein Sohn immer in deiner, nein, in unserer Nähe. Du hast alles Recht der Welt böse auf mich zu sein, weil ich das über deinen Kopf hinweg entschieden habe. Bitte verzeih mir!“
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