Ahrweiler - Teil V

oder: nach einem Ende, folgt immer ein neuer Anfang

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Ahrweiler - Teil V

Ahrweiler - Teil V

Gero Hard

Sie stand einen Moment recht unsicher herum und blickte vor sich auf den Boden. „Kann ich dir ein Geheimnis verraten, Florian? Und versprichst du, nicht auszurasten oder mich rauszuwerfen?“

„Oha, das muss ja was ganz Schlimmes sein. Aber jetzt bist du damit angefangen, also raus damit. Ich verspreche dir, du hast nichts zu befürchten.“ 

„Ich habe keinen Freund! Das, was ich erzählt habe, war fast alles gelogen. Ich habe es probiert, aber ich fühle bei Männern nichts. Ich bin lesbisch.“

Ich sah sie eine Weile an. Sie war knallrot geworden und hatte zu weinen begonnen. Dieses arme kleine Geschöpf! Was musste es sie für eine Überwindung gekostet haben, sich vor mir zu outen. Nun war mir aber auch völlig klar, warum sie sich nicht so perfekt mit den anderen verstand. Natürlich wurde sie für ihre geleistete Arbeit respektiert, mehr aber auch nicht. Niemand fragte sie, ob sie abends auf ein Bier mit in die Bar oder ins Kino wollte.

Ich ging auf Maja zu, beugte mich zu ihr herunter, schob ihr meinen Zeigefinger unter das Kinn und hob ihren Kopf an.

Ich wollte ihr bei dem, was ich ihr zu sagen hatte, in die Augen sehen. Aber erst einmal wischte ich ihr mit den Daumen die Tränen aus den Augen: „Maja, eines vorab. Für mich macht es keinen Unterschied, ob lesbisch, schwul oder hetero. Ich mag Menschen, weil sie sind, wie sie eben sind. Und manche mag ich genau aus dem gleichen Grund eben auch nicht. Jetzt wird mir einiges klar. Du weißt aber schon, dass Imke nicht lesbisch ist und wahrscheinlich mit mir zusammen kommt? So ganz genau weiß ich das nämlich noch nicht, aber pssst …, nichts verpetzen.“

„Ja, das weiß ich. Du bist auch der Erste, dem ich das erzähle, nicht mal meine Eltern wissen davon. Mein Vater würde mich umbringen, wenn er davon erfahren würde. Ich habe einen guten Freund, den ich ihm als meinen festen Freund untergejubelt habe. Aber in Wirklichkeit läuft da nichts.

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