Ihre Hände strichen sehr sanft über meine Wangen und über meinen Hinterkopf. Beide spürten wir gegenseitig, wie sehr wir den anderen in der kurzen Zeit vermisst hatten. Miteinander telefonieren, die Stimmen hören, ersetzte eben nicht die Berührungen der Hände, den Duft der Haut und das Kribbeln, das einen durchströmt, wenn man sich fest in den Arm nimmt.
Ich hob sie in den Beifahrersitz und verstaute den Rolli im Kofferraum. Mir war bewusst, dass es bestimmt Ärger geben würde, wenn man uns dabei erwischte, wie wir das Klinikgelände verließen. Aber letztendlich war das hier kein Gefängnis und man konnte nichts gegen einen kleinen Ausflug tun.
Wir verließen die Ortschaft und durchfuhren nach kurzer Zeit ein weitläufiges Waldstück. In kurzen Abständen führten rechts und links Waldwege zwischen den Bäumen hindurch. Kurzentschlossen bog ich in einen davon ein, der nicht durch einen hölzernen Schlagbaum versperrt war. Imke sagte nichts, sondern lächelte nur. Sogar recht spitzbübisch, wie ich in dem Moment fand.
Der Rolli war schnell aus dem Kofferraum geholt und meine Prinzessin sog tief die frische Waldluft ein, nachdem ich sie in den Stuhl gesetzt hatte. Es ist immer wieder unvergleichlich schön, den Duft eines blühenden Waldes einzuatmen. Vor allem nach einer anstrengenden Woche hatte das was sehr Entspannendes.
Imke war in kürzester Zeit zu einem ganz anderen Menschen geworden. In der Eingangshalle war sie angespannt,
traurig und missmutig gewesen. Doch hier im Wald war sie schnell wieder zu meiner Imke geworden. Sie lächelte, zeigte aufgeregt auf herumspielende Hasen oder auf einen Sprung Rehe, die sie etwas entfernt auf einer Lichtung entdeckt hatte.
Es war ein gepflegter Wald, aufgeräumt und sauber. Weit und breit keine Menschenseele zu sehen, keine knatternden Motorsägen, nur das liebliche Zwitschern der Vögel und das Summen von fliegenden Insekten durchbrachen die Stille.
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