„Ich werd dann mal gehen und den Tisch um zwei Gedecke erweitern.“, zuckte ich genervt mit den Schultern und ging mit zunehmend schlechter Laune zu unseren Gästen.
Mein alter Herr flegelte sich breitbeinig wie ein Pascha auf den Sessel. Sein rechter Zeigefinger steckte ziemlich tief in einem seiner Nasenlöcher und popelte darin herum. Wonach er genau suchte, wußte ich nicht, aber ich ahnte es angeekelt.
Mit der anderen Hand krauelte er sich genüsslich seine Eier. Mir war nicht klar, wem er hier was beweisen wollte, so ein geiler Macker war er nun auch wieder nicht. Meine Grenze des guten Anstands war längst überschritten.
Als er dann ein wabbeliges Stück Rotze aus seiner Nase zog, was nach „Brosche mit Kette“ aussah, es lange grinsend ringsherum betrachtete, zittern ließ und dann schließlich in einem Taschentuch abwischte, war es auch um meine Mutter geschehen.
„Was bist du nur für ein widerliches Schwein. Du ekelst mich an. Warum hast du das nicht gleich gefressen, wie du es sonst immer tust?“, zickte sie ihn sichtlich wütend an.
„Brauchst ja nicht hingucken und jetzt lass mich gefälligst in Ruhe.“, meckerte er zurück.
Mir reichte es. Ich hatte genug gesehen, um mich einzumischen.
„Sagt, wie lange wolltet ihr gleich noch bleiben? Wenn ihr nur gekommen seid, um uns Weihnachten zu verderben, dann hättet ihr euch den Weg besser gespart.“
„Was soll das heißen? Wirfst du uns raus?“, polterte mein alter Herr entrüstet los.
„Wenn du dich weiter so benimmst wie eine alte Wildsau, dann ja.“
„Tut mir leid, mein Junge,“, wurde meine Mutter plötzlich ganz leise, „ich weiß auch nicht, was in deinen Vater gefahren ist.“
„Mama, ihr könnt gerne zum Essen bleiben. Und von mir aus auch noch auf ein Glas Wein, aber dann lasst es gut sein. Bitte!“
„Aber … wir wollten doch nur … unser Enkel … wir dachten …“ Bei den Worten fing sie an zu flüstern. Ihr war es auch sichtlich peinlich, was hier ablief.
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