Ahrweiler - Teil X

Narben werden bleiben

51 19-29 Minuten 0 Kommentare
Ahrweiler - Teil X

Ahrweiler - Teil X

Gero Hard

Aber ändern konnte sie es auch nicht. Gegen den ollen Bollaballa hatte sie keine Chance.

„Ihr habt Imke am Telefon schon deutlich gemacht, dass euch das Kind egal ist. Und dann habt ihr euch über drei Monate nicht gemeldet. Keine Frage danach, wie es dem Kind geht, oder wie es uns geht. Jetzt braucht ihr auch nicht angeschissen kommen und hier klug rumscheissern. Ach warte, jetzt hab ich’s. Ihr seid gar nicht wegen dem Kind da. Das ist nur ein Vorwand, ihr wollt was ganz anderes …!“

In dem Augenblick kam Imke mit den ersten Schalen. Kartoffel, Kroketten und Soße. Mit dem Aufstoßen der Tür, herrschte sofort Totenstille. Imke blieb kurz stehen, sah uns der Reihe nach an, schüttelte kurz den Kopf und stellte die Schüsseln auf den ansonsten festlich gedeckten Tisch. Danach verschwand sie wieder in der Küche.

„Unser Geld ist alle und wir müssen aus Spanien weg. Und du verdienst doch gut, da dachten wir, du könntest uns hier ein Haus kaufen oder mieten. Unsere Rente reicht dann für die Lebensmittel und Nebenkosten. Abgesehen davon, wollen wir ja auch mindestens zweimal im Jahr wegfliegen.“

Ich war von einer auf die andere Sekunde völlig sprachlos geworden. Mir klappte der Unterkiefer nach unten und mein Mund wurde trocken. Soviel Unverfrorenheit hätte ich den beiden im Leben nicht zugetraut. Meine Schwiegereltern sahen sich betroffen an. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass sich Imkes Eltern ziemlich fehl am Platz vorkamen und am liebsten gegangen wären. Ihre Höflichkeit verbot das natürlich.

„Warte, Warte! Nur, dass ich das richtig verstanden habe. Ihr seid pleite, weil ihr zu blöd seid, euer Geld einzuteilen und es verkackt habt. Und ich soll euch jetzt hier ein Leben in Saus und Braus ermöglichen? Am liebsten eine Luxusbude in edelster Lage?“

Mein Vater hatte sich aus dem Sessel gewuchtet und neben mich gestellt, nachdem er sich seine wohl dicken Klöten in der Unterhose zurechtgerückt hatte.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 2400

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben