Ahrweiler - Teil X

Narben werden bleiben

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Ahrweiler - Teil X

Ahrweiler - Teil X

Gero Hard

Vielleicht waren sie voll, taten weh oder was auch immer. Warum er nun schon minutenlang mit ihnen herumhantierte, keine Ahnung. Unpassend in dieser Rund war es allemal. Dann klatschte er mir seine fetten Finger auf den Rücken, an denen sicher noch ein Restpopel unter den Fingernägeln klebte.

„Du hast es erfasst, mein Junge. Ist doch kein Problem für dich, oder?“, lachte er überheblich.

„Kein Problem? Euer Ernst jetzt? Kein Problem? Welcher Hahn hat euch denn gehackt? Passt mal auf, ich sag euch, was kein Problem für mich ist: Ihr habt genau fünf Minuten, um euch von eurer zukünftigen Schwiegertochter zu verabschieden, die Jacken anzuziehen und aus unserem Leben zu verschwinden. Und noch was: Es wird keinen Cent für euch geben. Jetzt trollt euch …!“ und zeigte rot vor Wut geworden, auf die Tür.

Der Gesichtsausdruck meiner Mutter wechselte von bemitleidenswert zu jetzt ängstlich. Wir hatten uns lange nicht gesehen, aber sie kannte mich gut genug um zu erkennen: Jetzt noch ein falsches Wort von ihr oder meinem Vater, dann würde es handgreiflich werden. Jedenfalls war sie auch klug genug um aufzustehen, mit gesenktem Blick in die Küche zu gehen, um sich von Imke zu verabschieden. Die kam dann mit ihr zusammen aus der Küche und schaute überrascht

in die Runde.

„Meine Eltern möchten lieber gehen!“, beantwortete ich ihre ungestellte Frage. Erstaunt stand sie da, mit dem Braten in der Hand. Natürlich verstand sie nicht, was hier gerade passierte. Woher sollte sie es auch wissen.

„Aber Kind …“, startete meine Mutter einen letzten Versuch.

„Nix da ‚aber Kind‘! Verschwindet, aber blitzartig!“, straffte ich meinen Körper um der Ernsthaftigkeit meiner Worte Nachdruck zu verleihen.

Die Hand meines Vaters war zwischenzeitlich von meinem Rücken verschwunden. Er starrte mich an und wartete anscheinend noch auf eine positive Antwort meinerseits, die er selbstredend nicht bekam.

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