Ahrweiler - Teil X

Narben werden bleiben

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Ahrweiler - Teil X

Ahrweiler - Teil X

Gero Hard

Und ich starrte, weil ich auf eine Reaktion von ihnen wartete, die ich laut genug und unmissverständlich eingefordert hatte. Und als diese weiterhin ausblieb, legte ich meine Hände, verteilt auf den Rücken meines Vaters und meiner Mutter und drängte sie auf den Flur, wo ihre Jacken an der Garderobe hingen. Ich spürte den Widerstand, aber je stärker der wurde, umso mehr drückte ich sie bestimmt vorwärts. So dauerte es noch einige Minuten, bis ich meine Eltern auf den Hof hinausgeschoben hatte.

Ich sei herzlos, undankbar und wohl von allen guten Geistern verlassen. So könne man doch wohl nicht mit seinen Eltern umgehen, musste ich mir lautstark von meinem Vater anhören, als ich mich schon umdrehen und wieder ins

Haus zu unseren anderen Gästen gehen wollte.

„Du egoistisches Arschloch! Ich wusste, dass du Bastard uns nicht helfen würdest. Wie konnte ich nur den Fehltritt deiner Mutter aufziehen? Was für ein schändlicher Fehler! Ich wünschte, du wärst … besser verreckt.“, schrie er völlig außer sich.

Egoistisches Arschloch …? Fehltritt meiner Mutter …? Besser verreckt …? Mir brannten die Sicherungen durch. Mein Vater sah mich an und dann meine gestreckte Faust auf sich zufliegen, die ihn mit ziemlicher Wucht mitten im Gesicht traf. Das Krachen dabei musste von seiner Nase gekommen sein, die danach etwas verbogen nach rechts zeigte. Ein Schwall Blut schoss aus seinen Nasenlöchern und ging dann in starkes Tropfen über, was sein Hemd dunkelrot färbte.

Imke stand in der Eingangstür mit Tränen in den Augen und hatte erschrocken die Hände vors Gesicht genommen, als sie die Szene beobachtete. So hatte sie sich unseren ‚Heiligen Abend‘ nicht vorgestellt. Ich allerdings auch nicht, nahm ihr das Trockentuch, das noch aus der Küche locker über ihrem Arm hing und warf es mit verächtlichem Blick meinem Vater auf die Brust.

Er war nach dem Schlag rückwärts auf dem Pflaster gelandet und sicherheitshalber liegen geblieben, damit ihm vom Anblick seines Blutes nicht noch schlecht werden würde.

„Passt auf ihr zwei. Ich sage das jetzt nur einmal: Hättet ihr mir das in einem anderen Rahmen erzählt, hätte ich bestimmt wissen wollen, wer mein leiblicher Vater ist. Diese Info verwirrt mich doch schon ziemlich und zerreißt mir mein Herz. Gab es nicht Gelegenheiten genug, mir das zu erzählen? Aber jetzt interessiert es mich nicht mehr. Ihr habt Imke und mich beleidigt. Durch euer Benehmen, eure Arroganz, eure Überheblichkeit und nicht zuletzt durch die Gleichgültigkeit, die ihr euren Enkeln entgegengebracht habt. Ich möchte euch nicht wiedersehen. Für mich seid ihr Geschichte und zu einem schlechten Kapitel in ‚Meinem Buch des Lebens‘ geworden. Ich verachte euch. Und jetzt haut ab. Ach ja, das Handtuch könnt ihr behalten. Frohe Weihnachten!“

Ich nahm meinen Schatz in den Arm und zog sie mit mir ins Haus zurück.

„Komm Liebling, wir haben Gäste und ich jetzt Hunger.“

„Das ist bestimmt inzwischen kalt geworden.“, lächelte sie mich liebevoll an.

„Das ist mir egal, wofür gibt es Mikrowellen. Hauptsache, ich bin von Menschen umgeben die ich mag, sehr mag.“

Werner und Maria saßen mit bedrückter Miene auf der Couch. Drei Gläser Wein und einen leckeren Braten später, hatte sich das geändert. Es wurde dann doch noch lustig, bis sich meine Schwiegereltern gegen 23 Uhr verabschiedeten.

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