Ahrweiler - Teil X

Narben werden bleiben

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Ahrweiler - Teil X

Ahrweiler - Teil X

Gero Hard

Zweimal gelang uns der Ritt über diese Grenze, die auch mich völlig entleerte und einiges an Kraft kostete. Aber ich gab ihr alles nur allzu gerne, denn letztendlich profitierte ich auch davon.

Die Sonne war fast schon im Ozean versunken, als wir nach Atem ringend im Sand lagen. Wir sahen uns an, mit all unserer Liebe im Blick und wussten, dass dieses erotische Erlebnis für immer in unserem Gedächtnis bleiben würde.

Schon deshalb, weil ich Ort und Stimmung nutzte, um ihr den Antrag zu machen, von dem ich hoffte, sie würde ihn annehmen.

Vermutlich war es mir gelungen, alles richtig zu machen. Sie fiel, wie ich, auf die Knie in den Sand, warf sich in meine Arme und heulte ergriffen wie ein Schlosshund, ein deutliches „Ja, ich will“ in meine Halsbeuge.

Wir küssten uns lange und es schmeckte salzig von den vielen Tränen, die wir gemeinsam geweint hatten.

Den passenden Ring schob ich ihr dann im Hotelzimmer auf den Finger, nachdem wir Hand in Hand am Strand zum Hotel zurück geschlendert waren und zusammen geduscht hatten. Man glaubt ja nicht, wo überall, nach so einer Aktion, am Körper feiner Sand ins Getriebe gespült wird.

Sex hatten wir an diesem Tag wahrhaftig genug, aber die ausgedehnte Kuscheleinheit am Abend war uns wichtig, bis wir zufrieden und überglücklich einschliefen.

****

Es war schon eine ganze Weile seit meinem Ersteinsatz in Ahrweiler und damit der Rettung von Imke vergangen. Und obwohl sich unser Leben mit Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft ziemlich verändert hatte, ließen uns die Bilder aus und um Ahrweiler nie wieder ganz los.

Mich selbst verband, außer meiner eigenen Erfahrungen, nichts mit Ahrweiler. Und auch Imke hatte nach der Umbettung von ihrem verstorbenen Mann und Lennart alle Kontakte dorthin im Sande verlaufen lassen. Und doch hatten wir unsere, vielleicht etwas merkwürdig anmutende Verbundenheit zu diesem Ort nicht ganz verloren und es blieb das Gefühl, etwas für die Gegend und vor allem für die Opfer tun zu müssen.

Imke und ich unterhielten uns oft über dieses Thema, wenn wir nach einem langen Tag im Büro, müde im Bett lagen und uns einfach dicht aneinander schmiegten. Bis Imke dann eines Abends vorschlug, dass wir beide doch unabhängig der Feuerwehren für eine Weile dorthin fahren und helfen könnten, wo immer unsere Hilfe gebraucht würde. ‚Hilfe im Kleinen‘, nannte sie es und genau das traf es auch im Kern. Heute der einen, morgen einer anderen Familie helfen. Dinge reparieren oder mit kleinen sinnvollen Finanzspritzen neue Sachen kaufen. Während Imke im Kindergarten aushelfen, oder den obdachlos gewordenen Anwohnern, die in spärlich eingerichteten Bauwagen übernachten mussten, unter die Arme greifen wollte.

Ich hielt das für eine ganz ausgezeichnete Idee und organisierte in den nächsten Tagen unsere Abreise. Hotel gebucht, bei dem ich auf den Hinweis helfen zu wollen, einen großzügigen Rabatt bekam, Arbeitskleidung für Imke und mich besorgen, die Arbeit im Atelier verteilen und organisieren und nicht zuletzt einen übergroßen Scheck von der Bank zu holen, den ich dem dortigen Bürgermeister in einer kleinen Zeremonie überreichen wollte.

Soviel sei vorweggenommen: Den übergroßen Scheck musste ich später wieder mit zurücknehmen und der Bank zurückgeben, ließ aber stattdessen einen bankbestätigten in Originalhöhe über 25.000 Euro dort.

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