Versonnen streichelte sie ihren Bauch, sah mich an und fragte:
„Zwei? Können wir bitte zwei nehmen?“
Ich nickte still und betrachtete die Bilder. Ich sortierte sie nicht nach niedlich oder nicht, nicht nach blond oder dunkelhaarig, nicht nach Junge oder Mädchen, sondern sah in die Augen der Kinder und versuchte so die größte Not zu erkennen.
Ich tippte auf einen Jungen und ein Mädchen, schob die Bilder nach oben um meine Wahl endgültig zu machen und wurde ansatzlos von Imke überfallen. Sie warf sich auf meinen Schoß und knutschte mich wild ab.
„Dreh mal die Bilder um.“, sagte sie und lächelte. Auf der Rückseite hatte sie mit dickem Stift Kreuze gemalt.
„Die hatte ich auch ausgesucht.“, erklärte sie die Kreuze.
Sie schnappte sich die beiden Bilder und verschwand aus meinem Büro. Nur einen Wimpernschlag später sah ich sie telefonieren. Mir war sofort klar, wen sie an der Strippe hatte.
Ich grinste in mich hinein und drehte alle Bilder um. Auf allen Bildern hatte sie Kreuze gemacht. Ihr wäre es nämlich völlig egal gewesen, für wen ich mich entschieden hätte. Für sie hatten es alle bitter nötig und machte da keine Unterschiede. Was für eine wunderbare Frau sie doch war. Feinfühlig, sensibel und emphatisch, mit einem blitzsauberen, wundervollen Charakter.
Die Versicherungserstattung für Imkes Haus stand auch noch aus. Uns tat das nicht weh, denn wir mussten das Haus nicht wieder aufbauen. Das Grundstück hatten wir bereits verkauft und das Geld lag auf einem Sonderkonto, welches wir eingerichtet hatten. Auch die Versicherungserstattung sollte darauf eingezahlt werden. Über die spätere Verwendung des Geldes hatten wir schon öfter nachgedacht, aber eine Entscheidung dazu stand noch aus.
Möglichkeiten, es sinnvoll anzulegen, gab es genug. Rücklagen für unsere Kinder, Unterstützung meiner oder Imkes Eltern, unsere Patenkinder in Ahrweiler … vielleicht eine kleine Stiftung, aus dessen Vermögen weitere, zielgerichtete Hilfen bewilligt werden konnten?
Aus dem Buch des Lebens ...
schreibt ulriketyress@gmail.com