Alessia wird um den Verstand gebumst

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Alessia wird um den Verstand gebumst

Alessia wird um den Verstand gebumst

Anita Isiris

Alois Galenz' Vater war dauerbesoffen, seine Mutter verdiente ihr Geld sauer auf dem Strich und hatte andere Sorgen, als sich um ihren kleinwüchsigen Sohn zu kümmern. In der Regel bleiben Kleinwüchsige auf der Strecke, oder sie heuern in einem Zirkus an. In ganz seltenen Fällen hangeln sie sich hoch, in die Chefetagen der Normalwüchsigen, die aber selbst dann auf sie herabschauen würden, wenn sie es zum russischen Präsidenten, zum Papst oder zu einem andern Diktator brächten.

Schafft es einer wie Galenz, bleibt der Charakter auf der Strecke. Zynismus, Unberechenbarkeit und der ewiglich währende Motor eines unermüdlichen Ehrgeizes gehören zum Repertoire – und somit war Galenz alles andere als ein angenehmer Mensch. Er lebte allein, und zwar am Arbeitsplatz. Sein Arbeitsplatz befand sich zuoberst in seiner Buchhandlung, in einem opulenten Glasbau, der eine weitschweifige Sicht über die ganze Stadt ermöglichte. So konnte Galenz, der Kleinwüchsige, auf alle und alles herabschauen. Alles war seiner Körpergrösse angepasst, der blankpolierte Arbeitstisch genau so wie die Stühle im Raum. Selbst die Bilder an den Wänden hatte er tief hängen lassen, denn er wollte sie betrachten und lieben können, die Bilder. Nur er. Scheiss auf die andern.

So war Galenz. Was ihn ebenfalls ausmachte, war seine aggressive Lust auf Frauen. Junge Frauen. Buchhändlerinnen hätte er zum Frühstück verspeist, würden wir denn in einer Kannibal:innenkultur leben, was wir glücklicherweise nicht tun. Also verspeiste Galenz die Frauen symbolisch. Ihm stand, so fand er, ein „jus primae noctu“ zu. Er war der Chef und verfügte über das unabdingbare Recht, jede der Frauen, die bei ihm arbeiteten, nackt zu sehen, bevor er sie anstellte.

Natürlich führte das im #metoo Zeitalter zu Irritationen. Das heisst, es hätte zu Irritationen geführt, wenn auch nur eine der jungen Frauen die Medien eingeschaltet hätte.

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