Alles passt, nur manches hängt

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Alles passt, nur manches hängt

Alles passt, nur manches hängt

Leni Trattner

Ich war nie die Frau, die unbedingt in einer Beziehung sein musste. Ich mag mein Leben so, wie es ist. Meine Wohnung, mein Rhythmus, meine Abende, die niemand kommentiert. Ich schlafe quer im Bett, wenn mir danach ist, esse mal früh und mal spät, gehe früh ins Bett oder bleibe lange wach. Und manchmal verschwinde ich für ein paar Tage. Dies ist meine Freiheit, ohne die ich nicht ich wäre.
Und trotzdem gibt es diese Phasen, in denen ich mich nach einem anderen Leben sehne. Einem anderen Ich. Eines, das Zweisamkeit erfährt. Nicht als Konzept, sondern als Körper, der neben mir atmet, als Hand, die mich im Vorübergehen berührt, als Blick, der an mir hängen bleibt.
Dies geschieht weniger aus Einsamkeit und eher aus Neugier. Doch vor allem aus diesem leisen Ziehen im Körper, das mir zeigt, dass ich mich wieder berühren lassen möchte. So, wie man nur eine Person berührt, die man anbetet. Langsam, absichtsvoll, mit Fingern, die mehr versprechen, als sie im ersten Moment geben. Und dass ich gesehen werden will. Nicht einfach nur so im Vorbeigehen, sondern so richtig in all meinen Facetten. Mit Blicken, die mich ausziehen. Aber auch Blicken, die sich von mir nicht lösen können, weil ich für sie einfach das Wundervollste bin.
In diesen Phasen geschieht es: Dann lade ich wieder Tinder runter und aktiviere erneut mein Profil.
Ich weiß inzwischen ziemlich genau, wie das läuft. Zu glatte Profile, zu viele Lächeln, zu viele Versprechen. Männer, die entweder sofort zu viel wollen oder so tun, als wollten sie nichts – und dann doch enttäuscht sind, wenn sie nicht gleich alles bekommen. Denn das stünde ihnen doch zu, wo sie doch so höflich waren und nicht gedrängt hatten. Aber egal, ich mache in diesem Zirkus mit.

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