Die Almhütte - Teil 1

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Die Almhütte - Teil 1

Die Almhütte - Teil 1

Sven Solge

Als ich die Almhütte, in der Nähe von Kirchberg in Tirol erreichte, schien die Sonne erbarmungslos vom Himmel.
Der unbefestigte Weg, hinauf zum Gaisberg, wurde für meinen Wagen eine Belastungsprobe. Ich musste sehr vorsichtig mit dem Gaspedal umgehen, weil die Räder auf dem Schotter schnell durchdrehten. Aber schließlich erreichte ich die Hütte und war froh, als ich den Wagen geparkt hatte und den Motor abstellen konnte.
Der Schlüssel für die Hütte lag wie versprochen unter dem besagten Blumentopf, auf der Rückseite des Hauses.
Die Hütte bestand fast ausschließlich aus einem Raum.
Ausgestattet mit Bauernmöbeln, einem breiten Bett, sowie einem, mit Bauernmalerei verzierten Schrank und einem kleinen Sofa und zwei Sesseln. Alles was man brauchte.
Die Kochnische wurde von einem Tresen mit hohen Stühlen zum Wohnraum abgegrenzt.
Eine Tür neben dem Bett, führte zum kleinen Duschbad und WC.
Ich hatte bei der Buchung Wert darauf gelegt, das wenigstens fließend Wasser und Strom vorhanden war. Auf Fernsehen und Wlan konnte ich eine Woche gut verzichten, trotzdem entdeckte ich einen kleinen Flachbildfernseher, der scheinbar sehr neu war. Nun gut, ich musste ihn ja nicht einschalten.
Zu meiner Überraschung, hatte ich aber hervorragenden Handyempfang.
Als erstes hob ich mein Mountainbike vom Gepäckträger und trug dann mein Gepäck ins Haus und richtete mich ein. Den Inhalt des großen Klappkorbs mit den Lebensmitteln, verstaute ich zuerst im Kühlschrank. Für die paar Tage sollte es reichen.
Die erste Nacht war etwas ungewohnt, da das Bett sehr weich war, trotzdem schlief ich recht gut.
Beim Frühstück studierte ich die Karte der Umgebung, die ich mir besorgt hatte. Ich wollte es langsam angehen lassen und mir nicht gleich zuviel zumuten. Die Radkarten, zeigten unterschiedliche Schweregrade an und da suchte ich mir den einfachsten Weg aus.
Zwei Wasserflaschen und ein paar Müsliriegel sollten erst einmal genügen.
Eine halbe Stunde später war ich unterwegs und war über den Schweregrad überrascht. Wenn das die leichteste Tour sein sollte, wie schwer waren dann die anderen Touren?
Der Weg führte mich durch ein kleines Wäldchen und deutlich konnte ich an den Spuren erkennen, dass hier schon andere gefahren waren. Es ging zwar teilweise steil bergauf, konnte aber von mir gut bewältigt werden. Problematisch waren höchstens Baumwurzeln, die meine Geschicklichkeit herausforderten.
Plötzlich lichtete sich der Wald und eine riesige Alm lag vor mir. Ein herrlicher Ausblick auf Kirchberg entschädigte mich für die Plackerei.
Gleichzeitig sah ich aber die dunklen Wolken, die sich am Himmel zusammen ballten mit großer Besorgnis. Der Vermieter hatte mir schon bei der Buchung geschrieben, dass ich immer auf den Wetterbericht achten solle, da sich hier das Wetter schlagartig ändern könne.
Ich entschloss mich noch ein klein wenig weiter zu fahren, wurde aber schon auf der anderen Seite der Alm von einem heftigen Blitz und folgendem Donnerschlag gestoppt. Entschlossen wendete ich und radelte zurück. Da es jetzt fast nur bergab ging, erreichte ich das Ende des Wäldchens sehr schnell, immer begleitet von grellen Blitzen.
Gerade hatte ich den Wald verlassen als es anfing zu regnen. Als ich meine Hütte erreichte, war meine Sportskleidung durchnässt.
Mein Bike stellte ich in den kleinen Schuppen, in dem Holz für den Kamin gelagert wurde und eilte dann ins Haus. Triefend nass, blieb ich unter der Überdachung stehen und schaute mir das Unwetter an.
Es donnerte und blitzte in ununterbrochener Reihenfolge und auch der Regen wurde immer schlimmer. Wahre Sturzbäche machten aus dem Weg, den ich mit dem Auto heraufgekommen war, zu einen reißenden Fluss.
Gerade wollte ich mich abwenden und ins Haus zurück ziehen, als ich am Rande des Wäldchens, aus dem ich vor wenigen Minuten gekommen war, etwas gelbes aufleuchten sah. Aber aufgrund des starken Regens, konnte ich nichts genaues erkennen.
Plötzlich blitzte es erneut und erhellte die ganze Gegend für einen kurzen Moment. Jetzt konnte ich deutlich eine Person erkennen, die sich durch den Starkregen hüpfend vorwärts bewegte. Scheinbar versuchte die Person Wasserpfützen auszuweichen, was bei diesem Regen unmöglich war.
Beim nächsten Blitz konnte erkennen, dass es sich anscheinend um eine Frau handelte, denn ihr hingen die langen Haare wirr ins Gesicht.
Mittlerweile war es stockdunkel geworden und ich hörte nur noch das Plätschern des Regens.
Angestrengt schaute ich in die Dunkelheit, konnte aber nichts erkennen. Auf einmal hörte ich einen schwachen Schrei, der fast gleichzeitig von einem Blitz begleitet wurde.
Jetzt sah ich sie wieder!
Sie schien gestürzt zu sein, denn sie saß auf dem Boden.
Ohne lange zu überlegen, rannte ich los und erreichte die Frau schon vor dem nächsten Blitz.
„Haben sie sich verletzt?“, fragte ich. Konnte mir die Antwort aber selber geben, da sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Knöchel hielt.
„Kommen sie, ich helfe ihnen. Meine Hütte ist gleich da vorne!“
Ich hatte Mühe ihr aufzuhelfen, schaffte es aber irgendwie.
Als wir endlich in der Hütte waren, buchzierte ich sie zu einem Stuhl und ließ sie darauf nieder sinken.
Ich schloss erst mal die Tür. Ein letzter Blick auf den Schotterweg, aus dem mittlerweile ein reißender Bach geworden war, zeigte mir das der Regen noch zugenommen hatte. Ein mächtiges Rauschen erfüllte die Luft und übertönte fast das gelegentliche Donnern.
Ich wandte mich wieder zu meinem Gast um, die vornüber gebeugt auf dem Stuhl saß. Ihre langen Haare, aus denen unentwegt Wasser tropfte, verdeckten ihr Gesicht, sodass ich mich nieder hocken musste, um sie anzusehen zu können. Aber erst, als ich ihr eine Haarsträhne hinters Ohr schob, konnte ich erkennen, was für ein schöner Vogel mir ins Netz gegangen war.
Sie schaute mich mit so traurigen Augen an, dass ich sofort dachte, ihre Verletzung wäre schlimmer als ich gedacht habe.
„Hast du starke Schmerzen?“, fragte ich sie und ging automatisch zum vertrauten „Du“ über.
Sie schüttelte den Kopf, sagte aber nichts. Als in diesem Moment das ganze Zimmer von einem Blitz erhellt wurde und fast gleichzeitig der Donner mit so einer Lautstärke folgte, hatte ich sie plötzlich am Hals hängen. Der Überfall kam so unverhofft, dass ich nach hinten umkippte und sie mit zog.
Jetzt lag diese unbekannte Frau auf mir und klammerte sich an mich. Bei jedem weiteren Blitz umklammerte sie mich fester und schluchzte mir ins Ohr. Sie schien fürchterliche Angst zu habe, denn sie zitterte am ganzen Körper. Das konnte allerdings auch von ihren nassen Klamotten kommen, denn auch mir wurde langsam kalt.
Ich flüsterte ihr beruhigende Worte ins Ohr und streichelte gleichzeitig ihren Rücken. Auch wenn die Situation alles andere als erotisch war, so erfühlte ich doch einen wundervollen Körper. Gerne hätte ich jetzt meine Hände unter ihr gelbes T-Shirt geschoben, wagte es aber nicht, da es sie nur verschrecken würde. Trotzdem spürte ich ihre harten Knospen auf meiner Brust. Aber das kam wahrscheinlich von der Kälte, des nassen Oberteils.
In einer Pause zwischen zwei Blitzen, nahm ich ihren Kopf in die Hände und zwang sie mich anzusehen: „Du bist hier sicher!“, sagte ich. „Wir sollten langsam aus den nassen Klamotten raus kommen, sonst erkälten wir uns noch!“
Sie schaute mich mit vor Schreck geweiteten Augen an, löste sich dann aber von mir und rappelte sich auf. „Entschuldige, aber ich habe fürchterliche Angst vor Gewitter!“
Ich hatte mich gerade wieder etwas aufgerichtet, als es erneut blitzte und mein unbekannter Gast hing schon wieder an meinem Hals. Auch wenn sie sich unglaublich gut anfühlte, als ich meine Arme um sie schlang, so musste ich das Theater beenden.    
Ich versuchte aufzustehen und sie mit hochzuziehen, was mir nach einiger Anstrengung auch gelang. Sie umklammerte mich zwar immer noch, aber ich konnte spüren, dass es nicht mehr so eng war. Was wohl auch daran lag, dass sich das Gewitter entfernte, denn die Blitze und vor allen Dingen die Donnerschläge waren leiser geworden.
„Wie heißt du?“, fragte ich sie und versuchte mich etwas von ihr zu lösen.
„Karina!“, kam es mit krächzender zurück. Sie schien immer noch vor Angst wie gelähmt zu sein.
„Hallo Karina! Ich bin Enno! Du brauchst keine Angst mehr zu haben, das Gewitter ist vorbei, der Donner ist schon weit weg!“
Ich konnte deutlich spüren, wie sie sich entspannte und sich langsam aus meinen Armen löste. Ich schob sie etwas von mir, hielt sie aber noch an den Oberarmen fest.
„Was hältst du davon, wenn du heute Nacht hier bleibst? Es regnet immer noch sehr stark und bis zum Dorf es ist doch recht weit. Außerdem bist du völlig durchnässt und kannst mit deinem lädierten Fuß bei diesen rutschigen Bodenverhältnissen, bestimmt nicht gut laufen. Ich könnte dich sonst morgen früh zum Arzt fahren. Oder gibt es jemanden den du Bescheid geben musst, wo du heute Nacht bleibst, damit die keine Suchaktion starten?“
Karina schaute mich überrascht an, daran hatte sie noch nicht gedacht. „Ich glaube ich sollte im Hotel anrufen, habe dort hinterlassen, wo ich hin will.“
Sie schaute sich suchend nach ihrem Rucksack um, den ich ihr abgenommen hatte, bevor sie sich auf den Stuhl setzte. Ich reichte ihn ihr und sie holte ihr Handy hervor und wählte die Nummer ihres Hotels.
„Wo bin ich hier?“, fragte sie, als das Hotel sich gemeldet hatte.
„In der Berghütte vom Lechner, Franz am Gaisberg!“, gab ich Auskunft.
Nachdem das geklärt war, sagte ich: „Du solltest jetzt die nassen Sachen ausziehen und heiß duschen!“ Sie schaute mich verständnislos an und blickte an sich herunter.
Ich wusste sofort was sie befürchtete: „Ich denke wenn ich dir so lange eine saubere Hose und ein T-Shirt von mir gebe, bis deine Sachen trocken sind, sollte es gehen! Einverstanden?“
Ohne eine Antwort abzuwarten, holte ich eine saubere Unterhose, ein T-Shirt, meine Trainingshose und ein Handtuch aus dem Schrank und brachte es ins Bad: „Voila Madame, das Bad ist gerichtet!“ Ich machte eine Handbewegung und eine Verbeugung und deutete auf das Badezimmer. Ein sanftes Lächeln huschte über ihr attraktives Gesicht.
„Ich mache in der Zeit, wo du duscht den Kamin an, dann können wir deine Sachen zum Trocknen aufhängen!“
Da Karina immer noch keine Anstalten machte zum Bad zu gehen, schob ich sie mit sanfter Gewalt zur Tür und schloss sie hinter ihr.
Es dauerte eine geraume Zeit, bis ich die Dusche hörte, das war ein beruhigendes Zeichen. Also fing ich an den Kamin anzuzünden, der schon nach wenigen Augenblicken wohlige Wärme verbreitete.
Jetzt zog ich mir auch schnell trockene Sachen an und wartete auf das Erscheinen meiner neuen Mitbewohnerin.
Es war leise geworden im Bad, doch als ich auf einmal meinen Föhn hörte, war ich sicher, dass sie bald erscheinen würde.
Ich deckte den Tisch für uns, denn nicht nur ich war hungrig, sie mit Sicherheit auch.
Und dann öffnete sich auf einmal zaghaft die Badezimmertür.
Ich war ja auf alles gefasst, aber was da jetzt in der Tür stand, raubte mir für einen Moment den Atem.
Auch wenn Karina meine Sachen etwas zu groß waren, so trug sie sie mit so einer Grazie, dass mein Herz etwas stolperte.
Ihre langen Haare, die ich für schwarz gehalten hatte, waren dunkelbraun und umrahmten ihr hübsches Gesicht in leichten Wellen. Deutlich zeichneten sich ihre Brüste durch den dünnen Baumwollstoff des T-Shirts ab. Besonders blieb mein Blick auf ihren erigierten Brustwarzen hängen, die sich wie kleine Zelte abhoben.
„Wow!“, kam es mir voller Bewunderung von den Lippen. „Da ist aber ein hübscher Vogel in meinem Nest gelandet!“, ergänzte ich, lenkte aber sofort ab, weil ich merkte, dass es ihr peinlich war. „Du kannst deine nasse Wäsche dort auf den Wäscheständer legen, damit sie trocken wird.“
„Möchtest du zum Abendbrot Tee, Kaffee oder lieber ein Glas Wein? Bier hätte ich auch noch!“, fügte ich noch hinzu.
Karina dreht sich um, holte ihre Wäsche aus dem Bad und hängte sie ordentlich über den Wäscheständer. Dann stand sie etwas hilflos im Raum.
Ich ging zu ihr, legte ihr meine Hände auf die Oberarme und schaute ihr tief in die Augen: „Entspann dich! Ich tue dir nichts. Im Gegenteil ich freue mich über deine Gesellschaft! Ich denke wir sollten ein Glas Wein trinken, das wird uns gut tun. Bitte setz dich!“ Ich führte sie zum Stuhl und nötigte sie Platz zu nehmen.
Ich öffnete die Flasche Rotwein, die ich für mich mitgebracht hatte und eigentlich für einen besonderen Abend, nach einer schwierigen Tagesetappe gedacht war. Aber wenn dies kein besonderer Anlass war, dann wusste ich es auch nicht?
Ich schenkte uns ein und hob dann das Glas und prostete Karina zu. „Auf das der Rest unseres Urlaubs besser werden möge als der heutige Tag!“, sagte ich und stieß mit ihr an.
Karina trank einen Schluck und stellte das Glas gleich wieder ab und schaute mich nachdenklich an: „Warum machst du das alles für mich, du kennst mich doch gar nicht?“
Ich hatte diese Frage kommen sehen und war mir nicht sicher, ob ich dafür die richtigen Worte finden würde. Deshalb überlegte ich nicht lange, sondern antwortete sofort: „Richtig, ich kenne dich nicht, aber als ich deinen Schrei hörte wusste ich nicht, wer da in Not war? Ich hatte dein gelbes Oberteil schon gesehen, als du das Wäldchen verlassen hast. Und mit jedem Blitzschein verfolgte ich deinen Weg und war mir sicher, dass du dich hier auskennst und sofort irgendwo in Sicherheit bist.
Erst nach deinem Schrei, als ich dich auf dem nassen Boden sitzen sah, als es erneut blitzte, wusste ich das du Hilfe brauchtest und bin dann sofort losgerannt. Ich war ja auch gerade erst von meiner Radtour zurück und schon durchnässt, also war es für mich egal.“
„Ich habe dich gesehen!“, sagte Karina auf einmal. „Du hast da oben auf der Alm gestanden und runter auf Kirchberg geschaut. Nachdem du dann die Wolken gesehen hast, bist du zwar noch ein Stück weiter gefahren, kehrtest aber kurz darauf um, als es anfing zu blitzen. Du bist sehr dicht an mir vorbei gefahren, ich war im Wald unterwegs und habe dich durch die Bäume gesehen!“
„Ja, stimmt!“, erwiderte ich.
Wir aßen eine Weile schweigend. Wobei ich mir ein Brot schmierte und aß, während Karina nur schaute. „Willst du nichts essen?“ fragte ich sie.
„Ich kann dir doch nicht dein Essen auch noch wegfuttern, du machst schon so viel für mich!“ Sie machte ein betrübtes Gesicht und sah dabei so süß aus, dass ich am liebsten zu ihr gegangen wäre, um sie zu küssen.
Ich musste mir ehrlich gestehen, dass dieser Gedanken, sie küssen zu wollen, schon aufgekommen war, seitdem sie das Bad verlassen hatte. Sie hatte so einen fein geschnittenen Mund, der mich etwas erregte.
Ich verscheuchte diese Anwandlung und forderte sie erneut auf etwas zu essen. Was sie dann schließlich auch tat.
Nach dem zweiten Glas Wein, taute sie richtig auf und erzählte mir etwas von sich.
Karina kam aus Koblenz, war Kindergärtnerin, ledig und 27 Jahre alt und dieses war ihr erster Urlaub nach der Ausbildung. Anfangs lag es am Geld und später war sie immer die Person die Urlaubsvertretung machte, da sie nicht verheiratet war und keine Kinder hatte.
„Aber du musst doch mal Urlaub gemacht haben?“, warf ich ein. „Das steht dir doch rechtlich zu!“
„Ja habe ich auch, blieb aber immer zuhause! Da meine Kollegen das wussten, wurde ich natürlich angerufen, wenn mal Not am Mann war. Verreist bin ich nie.“
Wenn sie sprach fiel mein Blick immer wieder auf ihre süßen Rundungen, die sich unter dem T-Shirt abzeichneten.

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