Am Morgen danach

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Am Morgen danach

Am Morgen danach

T. D. Rosari

Laute Beats. Bässe, die gegen ihre Brust rollen. Männer. Cocktails. Der Rhythmus der Musik versetzt ihren Körper in Schwingung.  Noch mehr Männer, noch mehr Drinks, noch gnadenlosere Beats. Sie sieht sich selbst zwischen Männern, die sie ansehen, berühren.
Kurz wandert das Bewusstsein der Frau vom Geschehenen ins Hier und Jetzt. Ein Mann liegt neben ihr. Muskulös, jung. Er schläft. Es gibt ein Gesicht zu diesem Mann, aber keinen Namen. Die Frau schließt wieder ihre Augen. Ein Moment inszeniert sich vor ihrem inneren Auge, wie ein Ausschnitt aus einem Kurzfilm: Der Mann, der jetzt schlafend neben ihr liegt, hat sie an die Wand gedrückt, an die Wand einer Aufzugskabine. Sie sieht sich selbst im Spiegel des Lifts: Trunkene Geilheit liegt in ihrem Blick, sehnsüchtige Erwartung in ihren Zügen. Der Mann im Spiegelbild fasst ihr unten den Leder-Mini und zieht ihr den String von den Hüften. Gierig schiebt er seine Hand in die feuchte Enge zwischen ihren Beinen. Sie lässt ihn zufrieden gewähren. Da geht die Tür der Liftkabine auf, sie stolpert in den Gang eines fremden Hotels, den Mann an der Hand hinter sich herziehend.
Ein Geräusch beendet den mühsamen Versuch, die exzessiven Vorkommnisse der Nacht zu rekonstruieren. Vorsichtig hebt Bridget den Kopf. Ein anderer Mann kommt gerade aus dem Bad. Er ist blond, schlank. Er grinst sie an und winkt ihr flüchtig zu. Dann verlässt er das Hotelzimmer.
Ein zweiter Mann? Weitere Erinnerungen kehren zurück. Der spendable Gentleman! Zahlte im Klub eine Runde nach der anderen. Ein geschickter Tänzer.
Leere. Noch immer bleibt vieles unscharf wie die Konturen eines misslungenen Fotos. Bridget gibt die Bemühungen des Erinnerns auf. Müdigkeit durchflutet sie, wieder triftet sie in einen schwerelosen Schlaf.
Als sie wieder erwacht, ist auch der Mann neben ihr verschwunden. Das Metall, das sich um ihr Handgelenk geschmiegt hatte, ebenso.

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