Am Rande der Wüste

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Am Rande der Wüste

Am Rande der Wüste

Sven Solge

Dort stützte ich mich auf dem Waschbecken ab und starrte mich im Spiegel an. Was war hier gerade passiert? Im ersten Moment war es mir peinlich, doch dann sagte ich mir, es ist etwas Natürliches, dass ein Mann am Morgen eine Latte hatte.
Jetzt hörte ich deutlich, wie die Haustür geschlossen wurde, was hatte ich vorher bloß  gehört?

Ich duschte so lange bis meine Erektion einigermaßen abgeklungen war, rasierte mich ausnahmsweise mal nass, weil das doch länger hielt, aber meiner Haut nicht so gut bekam. Verteilte großzügig mein Aftershave und mein Deo auf der Haut und unter den Achseln.
Ich hatte mich mit Fatma für zehn Uhr verabredet, dann wollte sie wieder kommen.
Nachdem ich mich angezogen hatte, frühstückte ich. Stellte zwei Flaschen Wasser bereit, für unterwegs. Überprüfte meinen Fotoapparat und steckte noch einen Ersatzakku ein und dann wartete ich auf meine Begleitung.
Pünktlich kurz vor zehn erschien Fatma in einem wunderschönen türkisen Abaya der zwischen ihren Brüsten noch zarte Goldapplikationen hatte.
„You are beautiful!“, sagte ich, ohne darüber nachzudenken, was es bei ihr auslösen könnte.
Dabei entging mir Fatmas schneller Blick in meinen Schritt nicht. Scheinbar hatte der Anblick meiner Beule sie doch mehr berührt, als ich vermutet hätte.
Was mir dann aber sofort auffiel, war der goldene Ring an ihrer rechten Hand.
„You are married?“, fragte ich überrascht.
Fatma lachte glockenhell auf. Dann erklärte sie mir, warum sie den Ehering ihrer Großmutter trug. Sie schützte sich damit in der Großstadt wie Marrakesch, Agadir oder Casablanca vor schmieriger Anmache oder dass sie von wildfremden Männer angefasst würde. Als ledige Frau konnte man nicht in die Stadt gehen, ohne Gefahr zu laufen vergewaltigt zu werden.
„Aber warum hast du mir das nicht gesagt, ich hätte dich doch nie gebeten mit mir nach Marrakesch zu kommen und mir die Stadt zu zeigen.“

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