Was mich am meisten berührte, waren die ärmlichen Verhältnisse in denen Fatma und ihre Großmutter lebten. Jetzt verstand ich auch, warum sich Fatma immer geweigert hatte, dass ich sie nachhause bringe.
Einen Tag vor meiner Abreise konnte ich noch ein Kondom auftreiben, was Fatma Tränen über die Wangen laufen ließ. Sie klammerte sich beim Sex derart an mich, dass ich die Spuren ihrer Fingernägel noch tagelang sehen konnte.
Natürlich hatten wir auch über die Zukunft gesprochen, aber Fatma konnte ihre Großmutter vorerst nicht alleine lassen und ich hatte meine Arbeit und meine Wohnung in Deutschland.
So versprach ich, sie regelmäßig zu besuchen. Ich kaufte ihr noch ein Smartphone, sodass wir telefonieren konnten, zumal das Internet in Marokko sehr gut war. Richtete ihr in Marrakesch noch ein Bankkonto ein, wo ich regelmäßig Geld überweisen würde.
Der Abschied war tränenreich.
Anfangs telefonierten wir noch jeden Tag, dann wurde es immer weniger und schließlich war ihr Handy nicht mehr zu erreichen.
Auch meine Geldzuwendungen kamen zurück, weil das Konto geschlossen worden war.
Eine weiter Enttäuschung auf meiner Liste?
Doch so einfach wollte ich die Liebe meines Lebens nicht fallen lassen, auch wenn das Schweigen nicht von mir kam.
Kurzentschlossen nahm ich eine Woche Urlaub und flog nach Marrakesch.
Als ich mit dem Leihwagen am späten Nachmittag vor der armseligen Hütte der Großmutter hielt, bemerkte ich wie einige Nachbarn mich neugierig beobachteten. Nun endlich passierte mal etwas in diesem kleinen Dorf!
Ich näherte mich der Hütte, als plötzlich die windschiefe Brettertür aufflog und mir ein Schatten um den Hals fiel.
Lachend und unter Tränen umarmte mich Fatma und küsste mich immer wieder.
Den ganzen Abend ließ mich Fatma nicht eine Minute los.
Sie berichtete, dass ihre Großmutter vor gut zwei Monaten gestorben wäre und sie deshalb den Kontakt zu mir abgebrochen hätte, weil sie glaubte, dass ich die finanzielle Unterstützung nur für ihre Großmutter gezahlt hätte und sie das nicht wollte.
Das ist jetzt drei Jahre her, Fatma und ich sind glücklich verheiratet und leben jetzt in meiner Wohnung in Deutschland.
Fatma sprich mittlerweile sehr gut Deutsch und verdient sich etwas Geld indem sie Nachhilfe in Französisch und ab und zu auch in Arabisch gibt.
Unsere Liebe hat so viele Facetten, besser hätte ich es nicht treffen können.
Am Rande der Wüste
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Am Rande der Wüste
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