Der letzte Container war pünktlich angekommen, jetzt konnte zügig mit dem Innenausbau weiter gemacht werden.
Als ich zur Mittagspause in mein Quartier kam, stand das Essen schon auf dem Tisch und Fatma stand lächelnd dahinter.
Ich hatte fast das Gefühl nach Hause zu kommen!
Ich ging um den Tisch herum und sagte: „Hi, Girlfriend“ und küsste sie auf die Wange.
Fatma zuckte etwas zusammen, schien sich aber über die Begrüßung zu freuen, es war wohl noch zu fremd und zu neu!
Plötzlich kam mir eine Idee, ich erzählte ihr, dass ich morgen nach Marrakesch wollte und ob sie mir nicht die Stadt zeigen könnte?
Im ersten Moment schüttelte sie zögernd den Kopf, doch dann meinte sie: „Ich fragen!“
Sie drehte sich um und ging aus dem Haus. Weil sie nicht wieder kam, dachte ich das wäre es wohl mit meiner Begleitung und Betreuung. Wieder holte mich das schlechte Gewissen ein, ich konnte doch nicht einfach deutsche oder europäische Verhältnisse anwenden.
Doch ich sollte mich irren.
Am Abend saß Fatma im Sessel vor dem Fernseher. Der Tisch war wieder gedeckt und es roch köstlich.
Sofort sprang sie auf als sie mich sah. Ich hasste dieses Unterwürfige Verhalten, deshalb sagte ich zu ihr: „Bitte setz dich!“ Wiederholte aber auf Englisch: „Please sit down!“
Fatma setzte sich, vermied aber sich zurückzulehnen. Stocksteif saß sie auf der Vorderkannte des Sessels und schaute mich mit ihren dunklen Augen ängstlich an.
Ich kniete mich vor ihr nieder und legte ihr beide Hände auf die Knie, doch als sie zusammenzuckte, nahm ich meine Hände sofort zurück.
Ich erklärte ihr, dass sie meine Freundin sei und nicht meine Dienerin. Dass ich mich jeden Tag freue sie zu sehen und dankbar bin für alles, was sie für mich macht. Mir ihr Essen, welches sie mit so viel Liebe zubereitet, sehr gut schmeckt und ich mich frage, womit ich das verdient habe, da ich für sie noch nie etwas getan hätte.
Am Rande der Wüste
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Am Rande der Wüste
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