Am Tag als der Regen kam

8 7-12 Minuten 0 Kommentare
Am Tag als der Regen kam

Am Tag als der Regen kam

Yupag Chinasky

Sie schaute ängstlich drein, drehte sich ihm zu, legte den Zeigefinger auf die Lippen und bedeutet ihm, sich ja nicht zu bewegen und ganz still zu sein. Sie lauschte weiter und versuchte herauszufinden, was im Nebenraum vor sich ging. Dann formten ihre Lippen das Wort Polizei und die Angst, die sich in ihrem Gesicht spiegelte, nahm zu. Ihre Lippen bebten und es schien ihm, dass sie ein Gebet murmelte. Er vermutete, dass ein Hausbewohner sie gesehen und die Polizei informiert hatte und erwartete jeden Moment, dass der Polizist die Wohnung durchsuchen, das Schlafzimmer betreten und sie entdecken würden. Um in dieser prekären Situation nicht auch noch nackt erwischt zu werden, begann er sich vorsichtig anzuziehen, darauf achtend, ja keinen Lärm zu machen, kein Rascheln zu verursachen. Auch das Mädchen zog ihre Unterwäsche an und streifte sich das Kleid über. Sie wusste genau, dass sie sich eine Menge Ärger und Scherereien einhandelte, wenn sie in einer so eindeutigen Situation erwischt würde und er konnte ihre Angst und ihre Verzweiflung deutlich spüren.

Endlich, nach einer endlosen Weile, hörten sie, wie die Stimmen leiser und die Wohnungstür geschlossen wurde, dann ein leises Pochen an der Schlafzimmertür. Das Mädchen öffnete, der junge Hausbesitzer kam herein und erklärte ihnen wortreich und sichtlich erleichtert, was vorgefallen war. Er war im Hausflur, in dem er gewartet hatte, von einem Polizist auf Kontrolltour angesprochen und gefragt worden, warum er seine Wohnung nicht verlassen habe. Als er sagte, er wolle lieber bleiben und auf seine Sachen aufpassen und er habe die Wohnung gut verbarrikadiert, habe der Polizist trotz seiner Ausflüchte darauf bestanden, mit in die Wohnung zu gehen, um zu sehen, welche Vorbereitungen er getroffen hatte. Als er die verschobenen Möbel und die verschlossenen Balkonfenster sah, gab er sich zufrieden und nach einigen Ermahnungen hinsichtlich des richtigen Verhaltens, ging er wieder.

Alle drei waren froh, dass die brenzlige Situation glimpflich überstanden war. Der junge Mann fragte, ob er noch einmal weg gehen solle. Als sie verneinten, sagte er, sie sollten zur Sicherheit lieber noch ein Weilchen warten, bis der Polizist das Haus verlassen habe und dann gehen, aber nacheinander und durch den Hinterausgang. Im übrigen, wenn sie am nächsten Abend wieder kommen wollten, seien sie herzlich willkommen. Ihm würde die Aufregung nichts ausmachen, für ihn wäre wichtig, dass er ein paar Dollar verdienen könne.

Am nächsten Tag hatte sich der ciclon verzogen, die Schäden hielten sich in Grenzen und nachdem im Fernsehen gemeldet wurde, dass die Straßen von Schlamm und Schutt wieder frei geräumt waren, konnte er seine Reise fortsetzen.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 12350

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben