Amélie wird gefilmt

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Amélie wird gefilmt

Amélie wird gefilmt

Anita Isiris

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Amélies Handinnenflächen waren feucht, als sie an der Haustür zum unauffälligen Vorstadt-Bau klingelte. Worauf ließ sie sich da ein? Aber sie benötigte das Geld dringend, um ihr bevorstehendes Semester als Cellistin zu finanzieren. Barfuß-Blümchensex. Honorar nach Absprache. Das klang verheißungsvoll. Ihr Semesterferien-Job als Aushilfe in einem Laden für Accessoires war Amélie gekündigt worden, zwei Tage bevor sie ihn hätte antreten können. Und Amélie wusste: Es gab Hunderte, wenn nicht Tausende von Frauen, denen es so erging wie ihr. Gleichzeitig war sie offen und unkompliziert – gerade auch in sexuellen und erotischen Belangen. Es war für sie kein Problem, sich in der Sauna zu zeigen, wissend, dass die Blicke der Männer sofort auf ihren großen Brüsten ruhten. Aber daran hatte sie sich längst gewöhnt. Was sie allerdings emotional bewegt hatte, war ein Gespräch, das sie neulich mit Ribo, einem Trans-Mann geführt hatte. Er hatte die Mastektomie gerade hinter sich und war vor den geschlechtsangleichenden Eingriffen Amélies BFF, ihre „best friend forever“ gewesen. Und nun war aus Riba ein Ribo geworden, allerdings ein sehr hübscher. Riba hatte über eine enorme Oberweite verfügt. Ribo vertraute Amélie nun an, dass sie sich gar nicht vorstellen könne, wie es wohl sei, wenn ihm das Gegenüber, egal ob Mann oder Frau, direkt in die Augen schaue und nicht immer auf die nun chirurgisch entfernten schweren Titten, in der in den Menschen tief verankerten Hoffnung, wenigstens den Schatten eines Nippels entdecken zu können. Egal ob Mann oder Frau. Auch wir Frauen lieben Nippel beim weiblichen Gegenüber. Ganz klar.

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