Die Amme

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Die Amme

Die Amme

Anita Isiris

Sie kannte diesen Blick, diesen abschätzigen Blick, der eine Frau in Brüste, Fotze und Arsch unterteilte. Sie überwand ihre Ablehnung jedoch, setzte sich hin und harrte der Dinge, die da kommen sollten, vor einer dampfenden Tasse Tee. Der kleine Nino war wirklich süß, hatte bereits dichtes schwarzes Haar und haselnussbraune Augen. Der Bauer richtete nicht viele Worte an Marisa und reichte ihr brummend den Buben. Eigentlich gehörte es schon damals zu den Gepflogenheiten von Männern, dass sie sich in derartigen Situationen diskret zurückzogen und eine stillende Frau in Ruhe ließen. Der Gruber Bauer setzte sich aber Marisa gegenüber an den Holztisch und starrte sie an. Was hätte sie tun sollen? Seufzend knöpfte sie ihre leinene Bluse auf und enthüllte ihre enormen Brüste. Sie hörte den Bauern schlucken. So, als wäre sie allein, massierte Marisa ihre flachen, hellbraunen Brustwarzen mit Ringelblumensalbe. Die Brustwarzen waren ihr Kapital. Sie mussten geschmeidig bleiben, durften keinesfalls Schrunden aufweisen, und Marisa betete zu Gott, dass Nino kein Beißer, sondern ein Sauger war. Beißen kann man nämlich ab dem ersten Lebenstag, auch ohne Zähne.
Der Unterkiefer des Gruber Bauern klappte auf, als Marisa sorgfältig ihre Nippel pflegte. So etwas hatte er noch nie gesehen. Dann dockte der Kleine an. Er saugte kräftig, und Marisas Brüste versorgten ihn mit köstlicher, süßer, fettiger Milch. Das Ritual dauerte keine dreißig Minuten. Dann schlief der Junge ein und Marisa verpackte ihren Busen wieder.
„Wie kann ich Ihnen danken?“, fragte der Mann heiser. „Oh... hierzu hab ich mir noch nichts überlegt“, antwortete Marisa in der ihr eigenen Bescheidenheit. Der Gruber Bauer kramte in einem Ledertäschchen und förderte ein Goldstück zutage, das er in Marisas geöffnete Hand legte. Sie stand auf, strich ihre Bluse glatt und wandte sich zum Ab- schied. Da hielt sie der Bauer zurück. „Da ist noch etwas“, sagte er heiser. „Da bin noch ich. Können wir reden?“ Sorgfältig legte er sein Kind zurück in die Wiege. „Kein schlechter Mann“, dachte Marisa bei sich. „Er liebt seinen Sohn.“ Sie empfand Mitleid für den Witwer, obwohl sie ahnte, dass er begütert war und rasch eine neue Frau finden würde, die sich um den kleinen Nino und dessen Vater kümmern könnte.
„Worum geht es denn?“, fragte Marisa neugierig. „Da drüben, in der Stube.“ Er forderte Marisa auf, auf einem kleinen Biedermeier-Sofa Platz zu nehmen. Sie füllte das Sofa beinahe aus. „Zeig sie mir noch einmal – bitte!“ Jetzt erst dämmerte es Marisa, worauf der Gruber Bauer hinaus wollte. Ihre Brüste! „Mein Gott“, stammelte Marisa. „Mein Gott!“
„Gott hat dich reich beschenkt“, sagte der Bauer. „Lass mich ein wenig an diesem Reichtum teilhaben. Ich bezahle gut.“ Marisa verstand sich als Amme, aber als Nutte keineswegs. Worauf hatte sie sich bloß eingelassen? „Will nur ein wenig nuckeln – wie mein Sohn“, flüsterte der Bauer heiser. „Dann lasse ich dich gehen – bitte...“

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