Unser erster Kuss an diesem Abend war fast ein wenig schüchtern, der zarten Schönheit jedes Anfangs angemessen.
Nur die Unsicheren fallen schon im Flur übereinander her. Wir haben das nie erlebt.
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Nicht, dass ich keinen Grund gegeben hätte, unverzüglich von den guten Sitten zu lassen. Ich trug waffenscheinpflichtige schwarze High-Heels, schwarze Strümpfe, ein weißes, mit kleinen, schwarzen Rauten aufgelockertes Korsett, einen schwarzen Slip, eine Perlenkette und dazugehörige Ohrringe.
Ich hatte sogar kurz überlegt, ob ich nicht einfach nur meinen Trenchcoat drüberziehen sollte, um ihn gleich so zu überraschen. Aber diesen Gedanken verwarf ich sofort wieder. Sicher, er hätte sich gefreut, aber wir hatten alle Zeit der Welt und er hatte bestimmt wieder lecker gekocht und schön gedeckt. Ich zog also diesen zarten Hauch einer Bluse in hellblau an und den bis über das Knie reichenden, engen, dunkelgrauen Rock. Vor dem Spiegel fand ich mich derart gekleidet mindestens so sexy wie mit meinen Darunter. Im Büro hatten die Kollegen bei diesem Outfit ja auch schon jenseits der Benimmregeln gegiert.
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Bei seiner Scheidung war das Haus draufgegangen, was ihm wehgetan hatte. Aber er hätte auch nicht allein drin wohnen bleiben wollen, ganz zu schweigen davon, es allein zu unterhalten. Da es fast abbezahlt war, blieb ihm genug, sich etwas Eigenes anzuschaffen, die beiden Kinder waren eh schon ausgezogen. Eine hervorragend geschnittene Eigentumswohnung mit Blick auf den Stadtpark hatte er gekauft, bei deren genauer Ausgestaltung er noch vor dem Bau mitreden konnte.
Das Bad war ein Traum, mit großzügigem ebenerdigem Duschbereich, optisch erweitert durch eine verspiegelte Wand, mit ausgeklügelter Beleuchtung und Luftzirkulation.
Die Raumerweiterung durch Spiegel fand sich auch im Wohn- und Essbereich. Der Schlafbereich gehörte eigentlich zu diesem Zimmer, war aber durch versenkbare Schiebetüren abteilbar.
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