Ana Popovic ....

Geschichten vom Anfang der Träume

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Ana Popovic ....

Ana Popovic ....

Stayhungry

Ein paarmal hat er mich schon gefragt, ob ich nicht Lust hätte, dort in der Buchhaltung zu
arbeiten, er könnte jemand mit guten Deutschkenntnissen brauchen, mit meiner Ausbildung wäre das doch was für mich, zumindest für ein paar Jahre.

Ich hatte immer lachend abgelehnt. Das ist immer noch wildes Land und die Wunden des Krieges sind noch nicht verheilt. Aber Sarajevo blüht kulturell und ist interessanter als manche westeuropäische Großstadt.

Irgendwann habe ich ihn angerufen, gefragt, ob das Angebot noch steht. Natürlich hat er gesagt, für Dich ist immer ein Platz hier. Opa ist in unserer Familie noch am ehesten ein Schlitzohr, ihm konnte ich anvertrauen, dass ich in Schwierigkeiten bin. Er hat nicht groß nachgefragt, nur versprochen, sich um alles Nötige zu kümmern, dass ich in Bosnien arbeiten kann ohne allzu offenkundige Spuren aus Belgrad zu hinterlassen.

*

Bernd wird echt Probleme bekommen, wenn er mich entwischen lässt. Pech für ihn. Ich werde nicht weinen um ihn, jetzt nicht mehr, und wenn er dabei draufgeht. Er hat selbst Schuld daran. Chancen, mir alles wieder gut zu machen, hatte er in den beiden Jahren, die wir zusammen sind. Er hat nichts unternommen und alle meine irrationalen, liebevollen Gefühle für ihn hat er nicht verdient.

Weil ich das erkannt habe, kann ich mich auf mein gefährliches Vorhaben einlassen und noch einmal neu anfangen. Vielleicht lerne ich einen aufrichtigen netten Mann kennen, den Vater meiner süßen Kinder. Heute weiß ich ja viel besser, worauf ich achten muss. Auf jeden Fall werde ich nächste Woche in einen LKW steigen, der am Großparkplatz der S-Bahn-Station am Stadtrand auf mich wartet. Zurück bleibt mein Auto mit steckendem Schlüssel und allen Papieren, in der Hoffnung, dass es geklaut wird und meine Spur sich verliert.

*

Nur K. tut mir leid.
Ihm wird es das Herz brechen, wenn ich spurlos verschwinde;
Irgendwann, wenn reichlich Gras über die Sache gewachsen ist und ich in meinem neuen Leben Fuß gefasst habe, schicke ich ihm ohne Absender und Begleitschreiben eine Konzertkarte von Ana Popovic. Dann wird er wissen dass es mir gutgeht.

Und vielleicht treffen wir uns dort sogar.

Wo immer das sei.

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