Die Anakonda und das Aquarium

Die Gottesanbeterin Teil 4

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Die Anakonda und das Aquarium

Die Anakonda und das Aquarium

Joana Angelides

Gorgon, mein Cartoon-Held profitiert von all diesen Ereignissen, er versucht all diese Protagonisten, die in meinen Cartoons mitspielen, zu retten. Er schwingt sich von Fassade zu Fassade, legt Spuren und macht anonyme Anrufe, doch es gelingt ihm nicht, dass die Polizei intensiver recherchiert. Es ist eben wie im realen Leben. Es liegt brütende Hitze über der Stadt, sie sind zu wenige Beamte, die Bezahlung ist mies.

Es ist die Faszination der Leser nach Tod und Sex, an denen ich ihn immer wieder scheitern lasse. Die Menschen wollen den Daumen nach unten strecken, wollen, dass Tod und brutaler Sex ihre Libido steigert.

Durch meine Cartoons stieg der Umsatz des Magazins und mein Verleger drängt auf immer mehr Episoden über meine „Gottesanbeterin“, wie er sie nun in Anlehnung der Tatsache, dass sie offenbar alle ihre Sex-Partner danach ermordet, nennt. Besonders weil die Protagonisten meiner Geschichten, der Bürgermeister und der Polizeichef immer schlecht wegkommen, da der Polizeichef die in meinen Cartoons sehr wohl virulenten Morde nicht aufklären kann und das schmälert die Chancen des Bürgermeisters in meinen Geschichten, wieder gewählt zu werden. Und er weiß, dass die Cartoons seinen Intimfeind im wirklichen Leben, den tatsächlichen Bürgermeister unserer Stadt, zur Weißglut bringen, weil er nichts dagegen tun kann.

In meinen Cartoons führt die Spur zwar zu meiner Zeichenfigur Yoko, doch betört sie den Polizisten mit ihren großen schwarzen Augen und ihrem biegsamen, erotischen Körper, sodass er nicht imstande ist, das Wesentliche zu erkennen. In meinen Cartoons ist Yoko nicht ganz nackt, das verbietet die Etikette des Verlages. Daher trägt sie schleierartige Gewänder, man kann ihre dunklen Nippel darunter nur erahnen, ihr Lächeln ist süß, teuflisch und verführerisch. Nacktheit ist noch immer tabu in unserer heuchlerischen Gesellschaft, Mord und brutaler Sex nicht.

Obwohl ich täglich die Zeitung durchsehe, werden all diese Morde bis heute nicht darin erwähnt. Niemand vermisst offenbar diese Opfer, niemand findet ihre Leichen. Es ist als würden sie sich in Luft aufgelöst haben.

Ich stecke weitere Episoden in das große Kuvert, lege es vor die Türe, zur wöchentlichen Abholung durch den Verlag und wandere unruhig in meinem Appartement hin und her. Seit drei Tagen bereits hat Yoko nun keinen Besuch. Hat sie aufgehört, sich Mordopfer zu suchen? Ich starre mehrmals am Tag hinüber, doch die Fensterfront bleibt auch abends geschlossen und unbeleuchtet.

Einstein, mein Kater liegt auf der Couch und beobachtet mich mit seinen grünen Sphinx-Augen. Er weiß etwas, da bin ich mir sicher!

Als dann endlich doch das Licht gegenüber angeht, stürze ich zum Fernrohr am Fenster. Yoko schwebt auf Zehenspitzen durch das Wohnzimmer, schlägt unter Einsatz ihrer endlos langen Beine ein Rad über die schwarze Vase in der Mitte des Raumes und landet schließlich wieder bei dem Musikschrank. Einige Lämpchen gehen an, sie schiebt eine CD in das Fach und beginnt wieder kleine Glasbehälter mit brennenden Kerzen auf dem Boden zu verteilen. Nur sind die Gläser dieses Mal nicht rot, sondern grün. Diese Farbe taucht jedoch den Raum in ein ganz anderes, mystisches Licht, als das mit den roten Gläsern bisher der Fall war.
Aha, sie erwartet also wieder Besuch. Wieder ein potentielles Mordopfer? Es ist erschreckend, zu erkennen, dass sie eigentlich eine Serienmörderin ist und mir das nichts ausmacht, ja ich in Erwartung der Ereignisse sogar freudig erregt bin. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, meine Knie zittern ein wenig und mein Penis hat sich zu einer stattlichen Größe aufgerichtet.

Als sie mit den Positionen der aufgestellten Lichtern, die sie immer wieder hin und schiebt, endlich zufrieden scheint, geht sie zum Musikschrank und holt aus einer der Laden eine Tube hervor und drückt etwas vom Inhalt auf ihre Handflächen. Dann beginnt sie, sich an den Armen beginnend, damit einzucremen. Sie gleitet langsam nach oben, wechselt zu den Brüsten und dann gleitet sie über den ganzen Körper. Da es im Raum außer den flackernden Kerzen keine andere Beleuchtung gibt, merke ich, dass die aufgetragene Substanz ihren Körper zum Leuchten bringt. Es ist eine fluoreszierende grünliche Substanz, die mich sofort an den geschmeidigen Körper einer Schlange erinnert. So ausgestattet wirbelt sie durch den Raum, verknotet fast ihre Beine, löst den Knoten wieder und wendet und dreht sich auf der Matte.
Ihr Kopf dreht sich und hebt sich, sie ähnelt wirklich einer züngelnden Schlange.

Da, sie hält inne und tänzelt zur Türe und entschwindet meinen Augen. Es ist anzunehmen, dass jemand geläutet hat.
Tatsächlich erscheint sie unmittelbar wieder mit einem ebenfalls asiatisch anmutenden Mädchen, das fast ihr Zwilling sein könnte. Die gleichen schwarzen, eng anliegenden Haare, die schrägen Augen und ein dunkelroter Mund. Wie könnte es auch anders sein, sie ist ebenfalls nackt. Ihre Figur ist fast noch sylphidenartiger und ebenfalls sehr durchtrainiert. Schin beim Hereinkommen sind sie eng umschlungen und ich kann sehen, dass sie sich zwar nicht direkt küssen, doch sie züngeln, Schlangen gleich und halten sich an den Hinterköpfen. Offenbar sind sie bereits so erregt und geil, dass sie ihre Hände nicht voneinander lassen können. Sie sinken sofort vor der Vase auf die Knie, ihre Zungen zucken weiterhin in und her, ihre Finger spielen gegenseitig an ihren Brustnippel und ihre Becken zucken vor und zurück.
Dass ich dem allen nur zusehen kann, macht mich wieder total verrückt. Ich spiele selbst an meinen Nippeln und stoße kehlige Töne aus. Einstein, mein Kater ist vom Sofa gesprungen und umrundet meine nackten Beine, was mich noch zusätzlich erregt. Yoko hat sich nun gelöst und beugt ihren Kopf ganz rückwärts bis er die Vase berührt. Das andere Mädchen, ich nenne sie Anakonda, versenkt ihre Zunge nun in ihrem Nabel, lässt aber die Finger weiterhin auf ihren Nippeln und man kann sehen, wie sehr das Yoko erregt. Sie hat ihren Mund weit geöffnet und vielleicht stöhnt oder schreit sie so auch ihre Gefühle hinaus. Nun schiebt Anakonda die rechte Hand zwischen ihre Beine und dringt tief ein. Der Körper von Yoko wird steif, länger und angespannter und plötzlich durchläuft sie ein Zittern, sie hat offenbar ihren ersten Orgasmus.

Meine Zunge gleitet an dem Fernrohr auf und ab und mein Stöhnen erschreckt Einstein, er kratzt mich am Knöchel und läuft wieder zum Soda zurück. Seine grünen Augen funkeln und ich habe den Eindruck, dass er mich sofort anspringt, ja zum Tiger wird. Hat sich meine Erregung auf ihn übertragen? Kann er Lust empfinden?

Yoko ist inzwischen zusammen gesunken, zuckt nur noch ein wenig. Anakonda sitzt auf ihren Fersen und spielt noch immer mit einer Hand mit ihrem linken Nippel.
Nun streckt Yoko ihre Hand aus und Anakonda hilft ihr auf, presst sich an sie und wieder nähern sich ihre Zungen; sie sind wirklich wie Schlangen, die sich gegenseitig schmecken wollen. Die grüne, leuchtende Substanz von Yokos Körper hat sich teilweise auf den anderen Körper übertragen und sie wirkt nun wie eine gefleckte Schlange. Da wirft nun Yoko etwas in die Vase und ich kann sehen, wie Rauch aufsteigt. Sie beugen sich beide darüber und atmen diesen Rauch gierig ein. Nach einer kleinen Weile beginnen sich ihre Oberkörper hin und her zu schwingen. Sie rollen mit den Köpfen nach hinten und vorne, ihre Augen sind weit aufgerissen, sie scheinen in Trance zu sein. Sicherlich atmen sie irgendeine, Sinn verwirrende Substanz ein. Sie sinken beide auf die Matte.
Yoko ist die erste, die sich wieder aufrichtet. Sie kniet nun zwischen den Beinen der Anakonda und spreizt sie weit auseinander. Diese gleitet mit beiden Händen zu ihren Schamlippen und drückt sie auseinander, sodass man das hellrote Fleisch der Vagina sehen kann und schreit etwas, was ich leider nicht hören kann. Yoko beugt sich nach vor und ich kann es deutlich sehen, sie beginnt sich mit ihren Zähnen und der Zunge darin zu versenken. Sofort beginnen beide mit rhythmischen Bewegungen zu vibrieren, Anakonda krallt ihre Hände neben sich in die Matte, Yoko presst ihre Schenkel brutal auseinander und es scheint, als würde sie sie aussaugen. Ihr Po geht hin und her und in meiner Fantasie knie ich hinter ihr, versenke meinen, inzwischen fast zu dreifacher Größe angewachsenen Penis in sie. Ich glaube, wir kommen alle drei gleichzeitig.

Oh, ich halte das nicht mehr aus, mein Kopf wird gleich platzen, mein Puls rast und mein Herz wird anschließend sicher stillstehen.
Einstein lässt mich nicht aus den Augen, sein Fell ist gesträubt und er faucht gefährlich.

Die Beine, Arme und der Körper der beiden imaginären Schlangen gegenüber sind ineinander verschlungen, sie zucken und spreizen krampfartig alle Extremitäten, züngeln und beißen sich gegenseitig. Ich habe den Eindruck, sie werden das nicht überleben.

Noch immer steigt ein feiner Rauch aus der Öffnung der Vase und wird die beiden Frauen sicher weiterhin berauschen.

Sie wälzen sich langsam und biegsam auf dem Boden, nunmehr auch über den Rand der Matte hinaus. Anakonda kriecht nun auf dem Bauch über den Boden, in Richtung der beleuchteten Wand mit dem Aquarium. Yoko kriecht hinter ihr her und hält sie an den Beinen fest. Durch das grüne Licht, der schimmernden Haut von Yoko entsteht wirklich der Eindruck zweier Schlangen, die sich ineinander verknoten.
Nun hat Yoko sich endlich über den Körper der Partnerin geschoben und sich in ihrem Nacken verbissen. Diese wehrt sich und windet sich hin und her.
Yoko steht auf, steht über ihr und hebt sie nun, ohne sich offenbar besonders anzustrengen, wirft ihren Körper über ihre Schulter und beginnt die Leiter hinaufzusteigen. Wo nimmt sie nur diese Kraft her? Kann es sein, dass sie durch ihren Trancezustand solche Kräfte entwickeln kann? Dazu kommt, dass der Körper Anakondas wie leblos an ihr hängt, offensichtlich betäubt durch den eingeatmeten Rauch. Oben angekommen kippt sie sie einfach über den Rand des Aquariums und lässt sie hineingleiten.
Mir bleibt die Luft weg, das Entsetzen steigt eiskalt in mir auf. Und doch kann ich meinen Blick nicht abwenden.

Der Körper Anakondas sinkt langsam, wie leblos hinab. Doch plötzlich kommt sie zu sich, bewegt ihre Arme, ihre Beine strampeln plötzlich wie wild, sie presst ihr Gesicht an das Glas, doch sie wirkt orientierungslos. Eines ihrer rudernden Beine verfängt sich in den Schlingpflanzen, sodass sie nicht nach oben kommen kann. Ist hier der Teufel mit im Spiel? Luftblasen steigen auf, sie kämpft verzweifelt um nach oben zu kommen. Sie rudert noch ein wenig zwischen den Fischen, dann erschlafft sie. Ihr Körper schwebt nun leblos in der Mitte des Aquariums, ihr Mund und ihr Augen sind offen, es sieht gespenstig aus.
Sie ist ertrunken.
Yoko ist die Leiter wieder hinab gestiegen und hockt nun, mit angezogenen Beinen, ihre Knie mit den Armen umschlungen und genießt es offenbar, wie der Körper im Wasser hin und her schwingt,

Schluchzend sinke ich zu Boden. Ich fühle mich hilflos, mitschuldig an all diesen Morden. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich so da gelegen bin, mich in meinem Schmerz gesuhlt und mit meinem Schicksal gehadert habe. Mein Unterleib war in Aufruhr, ich ejakulierte in einem endlosen Krampf, ließ mich total gehen und schrie meine Erregung hinaus. Einstein stand neben mir, sein Fell war gesträubt, er fauchte und machte einen Katzenbuckel. Er hatte ganz offensichtlich Angst vor mir, mein Ausbruch hatte ihn erschreckt.
Ich rappelte mich mühsam auf und ging ins Bad. Das warme Wasser beruhigte mich etwas. Eingehüllt in meinen Bademantel, mit nackten Füßen schlurfte ich wieder zurück und hinterließ eine nasse Spur am Teppich.
Einstein scheint sich beruhigt zu haben, er liegt zusammen gerollt auf der Couch und seine grünen Augen mustern mich hintergründig. Er weiß, dass ich ein Mörder, ein Mitverschwörer bin!

Durch mein zu Boden gleiten habe ich das Fernrohr verschoben. Ich rücke es hin und her und suche wieder das Appartement von Gegenüber. Yoko ist verschwunden und mit ihr auch die Tote, vorher noch im Wasser schwebende Anakonda aus dem Aquarium. Die Fische schwimmen hin und her, als sei nichts geschehen. Ich presse den Sucher an mein Auge, gleite die ganze Front entlang bis ins Schlafzimmer, doch das Appartement ist leer!
Wie hat sie es geschafft, die Leiche aus dem Aquarium zu kriegen, sie alleine wegzutransportieren und keinerlei Spuren zu hinterlassen?

Ich spüre, wie von meinen Beinen ausgehend eisige Kälte in mir empor kriecht, meine Arme bis zu den Fingerspitzen erfasst, um mich herum dreht sich alles, ich werfe mich auf die Couch neben Einstein und schließe die Augen. Noch einmal lasse ich alles Revue passieren. Ich sehe die schwebende Tote im Aquarium, sehe ihre aufgerissenen Augen, die aufsteigenden Luftblasen und ihren offenen Mund. Kann das alles Einbildung sein?

Irgendwann habe ich mich dann aufgerafft und mich zum Zeichentisch geschleppt. Wie im Fieber gleitet mein Stift über das Papier und ein Bild nach dem anderen formiert sich. Gorgon beobachtet Yoko, wie sie das Mädchen
Anakonda in das Aquarium stemmt, wie diese an den Schlingpflanzen hängen bleibt und letztlich zwischen den Fischen schwebt, tot und leblos!
Gorgon fotografiert sie durch das Fenster, an einem Seil schwingend und schickt die Bilder an den Bürgermeister. Doch dieser wirft sie in den Papierkorb, er hält sie für eine Spinnerei!
Mein Verlag ist begeistert, die Auflagezahlen steigen und steigen.

 

Nun sitze ich in einem kahlen Raum, die Wände, die Bettlaken und Polster sind weiß, ich bin in eine Art Zwangsjacke gehüllt und starre auf die in der Decke eingelassene unerbittliche zuckende Neonröhre. An meinem Arm ist eine Infusion befestigt und mein Bett ist über einen Meter hoch mit einem Gitter umgeben.
Langsam dämmert mir wieder was geschehen ist.
Die Veröffentlichung meines Cartoons in der Zeitung fiel zeitgleich mit dem Fund der Leiche von Anakonda zusammen. Man hat sie in einer Mülltonne gefunden und sofort mit meinen Cartoons in Zusammenhang gebracht. Der Verlag wurde mit Gerichtsbeschluss genötigt meine Identität preis zu geben und man hat mich dann stundenlang verhört. Ich war kooperativ, habe alle Morde geschildert, ihnen auch das Appartement gegenüber und mein Fernrohr gezeigt. Doch Yoko war verschwunden, das Appartement niemals vermietet und Spuren von ihr wurden auch keine gefunden. Nur die Fische im Aquarium zogen ihre Runden. Man hat mir nicht geglaubt. Obwohl ich letztlich tobend und schreiend meine Aussagen fortwährend wiederholt, ja den Kommissar sogar tätlich angegriffen habe. Doch es wurden bisher keine weiteren Leichen gefunden.
Man hat festgestellt, dass ich an Wahnvorstellungen leide und mich hier eingewiesen und auf das Bett fixiert!
Aber die Leiche von Anakonda und die Tatsache, dass sie tatsächlich in dem Aquarium ertrunken sein muss, ist nicht wegzuleugnen. Vor allem weil ich so viele Einzelheiten weiß und sie mir meine Erklärungen nicht glauben, halten sie mich für ihren Mörder. Genau genommen stimmt es ja auch, ich fühle mich ja mitschuldig.

 

Ich will wieder zurück in meine vier Wände, in meine abgeschlossene Welt. Egal was sie mir hier einreden wollen, Yoko, die Gottesanbeterin, wartet dort auf mich, ich brauche sie und ihren erregenden Körper, ihre Erotik und ….. ich brauche vor allem Einstein! Er glaubt mir, er weiß alles, er ist mein Mitwisser!

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