Anbetung

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Anbetung

Paul Magallas

Zur angegebenen Zeit war sie am gewünschten Ort. Sie fand alles wie angekündigt: Das große Zimmer mit Spiegeln an allen Wänden und an der Decke war angenehm temperiert. Gedämpftes Licht gab dem Raum etwas Mystisches. Angenehme Musik lief im Hintergrund – nicht zu psychedelisch und soft, mit Rhythmus, aber nicht zu hart. In der Mitte sah sie etwas Helles. Plötzlich rückte ein Spot die Mitte des Raums ins rechte Licht: Leicht erhöht eine Art Futon, Kissen, Tücher und Decken lagen darauf. Hier sollte sich Mona wohl platzieren. Sie spielte in Ruhe mit verschiedenen Positionen, schob Kissen hin und her, veränderte sie. Letztlich lag sie da wie auf Courbets Bild: Unten nackt, mit weit gespreizten Schenkeln. Ihr Oberteil, ein quasi durchsichtiger Hauch von Nichts war nach oben geschoben. Mona gefiel es, sich zu präsentieren. Sie schloss die Augen. Musik und Düfte verfehlten ihre Wirkung nicht. Fast dämmerte sie ein.

Ein leichter Luftzug zog an ihr vorbei. Eine Türe musste sich bewegt haben. Als sie etwas schläfrig die Augen öffnete, sah sie Ralf vor sich. Oben nackt, nur mit einem Lungi um die Hüften. Seine Füße waren ebenfalls nackt. Er lächelte ihr zu und legte seinen Zeigefinger auf die Lippen: Nicht reden!

Dann ließ sich Ralf vor ihr nieder, setzte sich in Meditationshaltung hin und schloss die Augen. Er schien sich innerlich zu sammeln. Als er sie wieder öffnete, sah Mona, dass sein Blick konzentriert auf einen Punkt gerichtet war: Ihre so offen daliegende Mitte. Ihr fiel Ralfs eigenartiger Blick auf. Er starrte nicht, sondern schaute weich und schien gleichzeitig durch ihre Vulva in Unendlichkeiten dahinter zu blicken. Zunächst war Mona irritiert. Dann ließ sich wieder in die Kissen sinken und genoss es, dass sie offensichtlich aller Aufmerksamkeit und Versenkung wert war. Es erregte sie, sich von außen vorzustellen, wie sie so dalag, dass Ralfs warmer Blick ihr galt. Das machte sie an.

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