Die Konstellation war zugegebenermaßen selten. Eric, ein berenteter Krankengymnast, 66 Jahre alt, hatte sich unsterblich in seine 35 Jahre jüngere Berufskollegin Annie verliebt. Zuerst war die Beziehung platonisch gewesen. Die beiden hatten gemeinsam unzählige, vorwiegend klassische Konzerte besucht. Dann hatten sie, in Zürich, den letzten Zug verpasst und sich spontan ein Hotel suchen müssen. Sie hatten sich auf ein Doppelzimmer geeinigt – und dann hatte das eine zum anderen geführt.
Bis dahin hatte Eric Annie noch nie nackt gesehen. Unter Krankengymnastinnen und -gymnasten ist es üblich, dass man, was den menschlichen Körper angeht, nicht besonders zimperlich ist. Gegenseitige Massageübungen gehören dazu, das Sich-Aus- und Umziehen in gemischten Garderoben ebenfalls. So what.
Aber wenn man sich verliebt, entsteht eine ganz andere Dynamik, wenn die Begehrte den BH abstreift. Eric saß aufrecht in seiner Betthälfte, ein Kissen in den Rücken gestopft, denn er hatte noch ein bisschen lesen wollen. Aber die natürliche, vollkommen unbekümmerte Art seiner Freundin, wie sie sich, nackt, kritisch im Ganzkörperspiegel betrachtete und dann in ihr Nachthemd schlüpfte, verursachte beim 66-Jährigen augenblicklich eine Erektion. Er war nicht schlecht bestückt, der Eric, und Momente, in denen er Sex hatte, waren selten geworden. Ganz anders Annie, kein Kind von Traurigkeit, und gerade auf orthopädischen und sogar auf urologischen Stationen gab es sie immer mal wieder, die intimen Momente mit Assistenzärzten im Pikettzimmer oder mit jungen Knochenbruchpatienten, deren zum Teil ansehnliche Dödel Annie reizten.
Klar musste sie in diesen Momenten immer mal wieder ihre professionelle Haltung überdenken, denn Erotik zwischen Patienten und Gesundheitspersonal kann und darf kein Thema sein.
Annie wird berührt
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Annie wird berührt
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