Annina zwischen den Kissen

des Dramas vierter und letzter Teil

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Annina zwischen den Kissen

Annina zwischen den Kissen

Anita Isiris

Am folgenden Abend machten sich zwei wegen der Kälte vermummte Männer ein weiteres Mal auf den Weg zu Annina. Diese war ahnungslos mit einer Kürbissuppe beschäftigt, während die beiden liebeshungrigen Männer ihr durchs von der Kälte beschlagene Fenster dabei zusahen. Beide sagten kein Wort, beide dachten dasselbe. Dann klopften sie an Anninas Haustür. Deren Herz tat einen Sprung. Einerseits erschreckte sie sich wegen der Unzeit, es war bereits acht Uhr Abends, andererseits durchzuckte sie Neugier. Als der Dorflehrer und Nubuk ihr strahlend die Hand entgegenstreckten, war es um Annina geschehen. Zu nah waren ihr die Erlebnisse des Vorabends, zu sehr glühten noch immer ihr Geschlecht und ihr Bauch, als dass sie die beiden Männer hätte abweisen können. Sie bot beiden Kürbissuppe und frisch gebackenes Brot an, der Dorflehrer zog aus seiner ledernen Umhängetasche ein Säckchen mit Zimtsternen.
Nach ein bisschen unverbindlichem Geplauder rund um die Unbill des Wetters fasste sich der Dorflehrer ein Herz und legte den Anatomieatlas auf den Tisch. „Wir möchten Dir etwas zeigen, Annina, etwas, das die Herzen auf der ganzen Welt bewegt. Bitte erschrick nicht, die Zeichnung ist ungewöhnlich. Sie zeigt eine Frau von ihrer intimsten, verletzlichsten Seite. Und vielleicht bist Du bereit, gegen dieses Säckchen mit Zimtsternen, Dich von Nubuk, unserem Gartenmann, auf dieselbe Weise zeichnen zu lassen. Du hast gestern Abend unsere Herzen geöffnet, und wir wünschen uns ein Andenken an Dich.
Als der Dorflehrer die fünfte Seite aufschlug, weiteten sich Anninas Augen. „Das… ist… jetzt aber doch ein bisschen unverschämt“, brachte sie hervor. „Damit hast Du recht“, entgegnete Nubuk, „unverschämt“. Aber weisst Du, da, wo ich herkomme, gehen die Frauen viel unkomplizierter mit ihrem Körper um als ihr hier in Europa. Sie stillen ihre Kinder vor ihren Strohhütten, waschen sich nackt am Dorfbrunnen und bücken sich auf den Feldern bei der Arbeit.

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